Ein Brustkrebs und sein Verlauf

 

My Breast Cancer and its History

 

Brustkrebs: Infos für Ärzte

Senologie-Update 2013

Erweiterte Optionen in der Sofortrekonstruktion

Jian Farhadi, GB-London und Zürich

Die Entwicklungen in der Brustrekonstruktion sind heute soweit fortgeschritten, dass für jede Frau mehrere Arten des Brustaufbaues in Frage kommen im Anschluss an die Skin-Sparing Mastektomie.

Hierbei wird versucht, die individuellen Wünsche zu berücksichtigen. In der Implantatrekonstruktion können wir dank Gewebematrix, welche als Verlängerung der Pektoralismuskulatur funktioniert, das definitive Implantat direkt einsetzen. So umgehen wir den Schritt der Expansion. In der Eigengeweberekonstruktion bedarf es keiner Verwendung von Muskel mehr, sondern es werden nur noch mehr Fett und Haut vom Abdomen, Gesäss oder Oberschenkel entnommen zur mikrochirurgischen Rekonstruktion.

 

EIGENGEWEBE VOM BAUCH (DIEP)

Der DIEP-Lappen hat sich zum Standardverfahren in der Brustrekonstruktion mit Eigengewebe entwickelt. Es ist eine Weiterentwicklung des konventionellen TRAM-Lappens. Bei dieser Methode wird lediglich das Unterbauchfettgewebe mit der Haut zur Brustregion verlagert. Die Gefässe des Lappens werden mittels mikrochirurgischer Technik an die Gefässe der Brustwand angeschlossen.

Im Gegensatz zum TRAM-Lappen besitzt der DIEP-Lappen also keine Bauchmuskelanteile. Dadurch bleibt die Bauchwand in ihrer Gesamtheit intakt, und es besteht auch keine Gefahr der Ausbildung von Bauchwandhernien.

DIEP, PAP, S-GAP und I-GAP sind Bezeichnungen für sog. Perforatorlappen: Gewebeblöcke, welche von der Hebestelle entnommen werden ohne der Mitnahme von Muskelgewebe, sog. freie Lappen. Bei einem Perforatorlappen folgt der Chirurg nur den zur Körperoberfläche ziehenden Gefässen.

DIEP-Lappen vom Bauch

 

EIGENGEWEBE VON DER LEISTE (PAP)

Die wohl aktuellste Entwicklung in der Eigengewebsrekonstruktion stellt der PAP-Lappen dar. Ein Gewebe, bestehend aus Haut- und Fettgewebe, wird zusammen aus der Innenseite des Oberschenkels und Unterhalb der Gesässes entnommen. Es handelt sich um eine Weiterentwicklung des TMG-Lappens, bei welchem der Grazilis-Muskel mitentfernt werden muss. Das Fettgewebe ist feiner strukturiert, als beim S-GAP, und sehr gut formbar. PAP steht für „profunde artery Perforator Lappen". Beim PAP-Lappen handelt es sich ebenfalls um einen mikrochirurgischen Lappen.

Die Gründe zur Entnahme dieses Lappens sind dieselben wie für den S-GAP oder I-GAP. Kommt hinzu, dass in gewissen Fällen nicht ausreichend Gewebe im Po-Bereich vorhanden oder eine Narbe an dieser Stelle nicht erwünscht ist. Die Narbe liegt versteckt in der natürlichen Beugefalte des Oberschenkels innenseitig mit Ausläufern in die Infraglutealfalte.

Patientinnen mit einer grossen Brust eignen sich nicht für diese Art von Rekonstruktion, da aus dieser Entnahmestelle am Oberschenkel nicht ausreichend Gewebe zur Verfügung steht. Ferner wird dieser Eingriff bei Patientinnen, welche Reitsport betreiben, ebenfalls nicht empfohlen.

PAP-Lappen von der Leiste

 

EIGENGEWEBE VOM GESÄSS (S-GAP / I-GAP)

Der Po-Bereich bietet eine weitere Möglichkeit zur Entnahme von Gewebeblöcken zur Rekonstruktion der Brust. Im oberen Bereich des Gesässes kann der S-GAP entnommen werden. S-GAP steht für „superior gluteal artery perforator". Man unterscheidet einen "oberen" (superior) und einen "unteren" (inferior) GAP-Lappen. Wie beim DIEP-Lappen handelt es sich um einen Perforatorlappen, welcher frei verpflanzt wird, also um einen freien Lappen.

Es gibt mehrere Gründe, sich für einen S-GAP zu entscheiden. Viele Patientinnen haben am Unterbauch bereits bestehende ausgedehnte Narben oder zu wenig Unterbauchfett, so dass der DIEP-Lappen nicht sinnvoll, resp. nicht möglich ist. Viele Patientinnen möchten auch keine Narben am Rücken und entscheiden sich deshalb gegen eine Rekonstruktion mit Rückenmuskel. Wieder andere möchten auf keinen Fall eine künstliche Brust mit Implantaten. In all diesen Fällen ist eine Rekonstruktion mit Eigengewebe vom Gesäss eine sehr gute Alternative.

Die Entnahme eines S-GAP-Lappens ist technisch gesehen anspruchsvoller, als diejenige beim DIEP-Lappen, da die Gefässe sehr viel kleiner und fragiler sind. Dementsprechend höher sind die Anforderungen an den Chirurgen und seine Erfahrung in der Mikrochirurgie.

GAP-Lappen vom Gesäss

 

Video des Vortrags, aufgenommen von oncoletter.ch am Senologie-Update 2013:

 

Dr. med. Jian Farhadi  (Text und Bilder)

Klinik Pyramide, CH-8034 Zürich

www.centerplast.pyramide.ch/de/Dr_med_Jian_Farhadi

Herzlichen Dank für den Vortrag!

Erika Rusterholz