Ein Brustkrebs und sein Verlauf

 

My Breast Cancer and its History

 

Brustkrebs: Infos für Ärzte

Senologie-Update 2010

Sexuelle Veränderungen nach Brustkrebs - Probleme und Therapiemöglichkeiten

Dr. med. Karoline Bischof, Zürich

Sexualität kann bei lebensbedrohlichen Erkrankungen vorübergehend in den Hintergrund treten. Dennoch sind 2/3 der prämenopausalen Brustkrebs-Patientinnen mit Partner schon in den ersten Monaten nach Diagnose sexuell aktiv.

Auch postmenopausal haben noch über 90 % der 50 - 65-jährigen gesunden Frauen Verlangen nach Geschlechtsverkehr. Die Sexualität spielt heute also für die Lebensqualität auch bei Brustkrebs und auch im höheren Alter eine wichtige Rolle. Ihre Bedeutung wird von Fachpersonen oft deutlich unterschätzt. Sie kann eine Ressource für die Krankheitsbewältigung sein und ein Inhalt, dank dem das Leben lebenswert bleibt.

Wegen der Bedeutung der Brust für Weiblichkeit und Attraktivität und mehr noch wegen der hormonsuppressiven Therapien wirkt Brustkrebs sich oft auf die Sexualität aus: Über 50 % der Betroffenen leiden auch 5 Jahre nach Diagnose noch an sexuellen Störungen, doppelt so häufig wie gleichaltrige gesunde Frauen.

 

Die häufigsten sexuellen Anliegen nach Brustkrebsbehandlungen betreffen

 ° Schmerzen beim Geschlechtsverkehr

 ° Verminderte sexuelle Erregbarkeit, Orgasmusschwierigkeiten

 ° Abnahme des sexuellen Verlangens

 

Verschiedene Mechanismen spielen dabei eine Rolle. Veränderungen im Körperbild vermindern das Gefühl der Attraktivität und weiblichen Identität. Gelenkschmerzen, jahrelange Müdigkeit, Schwäche und Depression reduzieren sexuelles Lusterleben und Verlangen. Kommunikationsprobleme, Ängste und Schwierigkeiten des Partners im Umgang mit der Krankheit beeinträchtigen die Paarebene. Einschneidend sind die starken Veränderungen des Genitales. Dessen Wahrnehmung ist anders, es wird oft "fremd". Atrophie und verminderte Lubrikation führen zu einer störenden Dyspareunie. Da einfach zu lindern, soll sie unbedingt in der Sprechstunde thematisiert werden. Sonst führt die Einschränkung des lustvollen sexuellen Erlebens zu einem Verlust des sexuellen Verlangens. Dyspareunie und Abnahme des sexuellen Genusses spielen eine viel grössere Rolle bei der Entstehung von Libidoproblemen als Hormone. Systemische Androgentherapie ist umstritten und bei Mamma-CA kontraindiziert (aber: topisch DHEA soll Sensibilität, Erregbarkeit von Vulva/Klitoris verbessern).

 

Beratung bei sexuellen Störungen

 

Aufklärung über Entstehungsweise und Normalität des Erlebten entlastet und genügt vielen Patientinnen. Schon bei der Vorbesprechung der Krebstherapie gehört die Aufklärung über mögliche sexuelle Nebenwirkungen und deren Behandlung dazu. Denn sie ermöglicht ein besseres Coping. Dabei genügt es nicht, abzuwarten, ob die Patientin die Sexualität thematisiert. Denn obwohl über 80 % der Patientinnen das Thema gern besprechen möchten, verbalisiert es nur jede Zehnte von sich aus.

"Haben Sie ein Anliegen im Zusammenhang mit der Sexualität?"

 

Schmerzen vermeiden: Im Narbenbereich, bei Gliederschmerzen: Stellungswechsel (z.B. "Löffelstellung" seitlich, auf der gesunden Seite liegend), vorgängig Analgetika (Cave: Opiate vermindern Erregbarkeit).

Bei Dyspareunie: längere Stimulation vor der Penetration, konventionelle Gleitmittel oder Speiseöl (nicht bei Condomen). Nicht zu empfehlen: KY-Gel®, Vaseline.

Zur Pflege der Schleimhäute: Vitamin E Öl (VEA Olio®), evt. niedrig dosierte Östriol Creme (kaum systemische Resorption). Wirkung erst nach regelmässiger Anwendung > 1 Monat. Tägliche sanfte Selbstmassage der Vaginalwand und Levatoren wirkt Schrumpfungen entgegen und fördert die Durchblutung.

Evt. Koitus-Pause, bis sich die Vagina erholt hat (Schmerzerfahrungen beim Sex vermeiden!).

 

Genuss fördern: Täglich sanftes langsames Einmassieren von Östriol-/Pflegecreme (Multi Gyn® , Deumavan®) auf Vulva und Vagina für die sinnliche Auseinandersetzung und den Wiederaufbau einer Beziehung mit dem Geschlecht. Beckenbodentraining für Durchblutung, Trophik und Wahrnehmung der Vagina – regelmässig im Alltag und als Unterstützung der Erregung beim Sex. Wiederaneignung des Körpers über Resensibilisierung: häufig wiederholte proprio- und exterozeptive Sinnesreize bei Bewegung und Berührung (Sport, Massagen, Yoga, Entspannungstechniken). Wichtig ist die eigene aufmerksame Berührung z.B. bei Körperhygiene oder Hautpflege, die – statt mit der üblichen Routine – langsam und bewusst durchgeführt wird unter Beachtung der dadurch ausgelösten Sinnesempfindungen.

 

Überweisen: Adressen kennen für Selbsthilfegruppen, Sexualberatung (siehe z.B. www.ziss.ch, www.zismed.ch)

 

Zum Vortrag "Sexualität nach Brustkrebs" (23 Bildtafeln):

 

Frau Dr. med. Karoline Bischof

Zentrum für interdisziplinäre Sexologie und Medizin ZiSMed, Minervastr. 99, 8032 Zürich

www.zismed.ch

Herzlichen Dank für den Vortrag!

Erika Rusterholz