Ein Brustkrebs und sein Verlauf

 

My Breast Cancer and its History

 

Brustkrebs: Infos für Ärzte

Senologie-Update 2010

Vorgehen bei Milchgangssekretion

Frau Dr. med. Claudia Braschler, Zürich

Die Milchgangssekretion ist ein häufig gesehenes Symptom in der senologischen Sprechstunde. Man versteht darunter den spontanen Austritt von Sekret aus der Brustwarze ausserhalb der Stillperiode.

 

In den meisten Fällen handelt es sich um eine physiologische Sekretion im Sinne einer Galaktorrhoe. Diese milchige Absonderung tritt aus mehreren Gängen und ist ein- oder beidseitig. Mögliche Aetiologien sind: Stimulation der Mamille, Stress. Medikamente, Status nach Laktation. Weitere Abklärungen sind nicht notwendig, da die Sekretion meistens spontan sistiert.

Eine pathologische Galaktorrhoe kann bedingt sein durch ein erhöhtes Prolaktin (Prolaktinom/ektope Prolaktinsekretetion), Hypothyreose, chron. Leberinsuffizienz sowie chron. Niereninsuffizienz und wird spezifisch therapiert.

Eine Galaktorrhoe tritt vor allem in der Zeitspanne zwischen der Menarche und der Menopause auf.

 

Eine Sekretion auf Provokation wird mit bis zu 20 % häufig gesehen und benötigt keine weiteren Abklärungen. Liegt zusätzlich ein Palpationsbefund vor, ist dieser mittels Tripel-Diagnostik weiter abzuklären, er gilt aber nicht als Malignitätsindikator.

 

Als pathologische Sekretion wird vor allem die einseitige und uniduktale Sekretion beschrieben. Eine erhöhte Inzidenz findet sich bei Frauen zwischen dem 35. und 50. Lebensjahr und nimmt nach der Menopause an Häufigkeit ab. In den meisten Fällen ist die Aetiologie benigne, und zwar bei Mastopathie, Adenom, Mastitis non puerperalis, Milchgangsektasie und solitären Papillomen. Die Sekretion kann trübe sein (gelb, grün, braun, schwarz) und wird vor allem bei Duktektasien und fibrozystischer Mastopathie (häufig beidseits) gesehen. Seröse, wässrige und blutige Sekretionen finden sich bei proliferativen Prozessen. In 40 – 70 % sind benigne Papillomen und in 10 –15 % Karzinome nachweisbar. Eine blutige, wässrige Sekretion muss unbedingt weiter abgeklärt werden.

 

Diagnostik: diese kann schwierig sein.

Bildgebung: Mammografie (nur selten Mikrokalk nachweisbar), Sonografie (Duktektasien gut sichtbar, intraduktale Strukturen selten), Galaktografie (schmerzhaft) und MRI.

Zytologie des Sekretes (niedrige Spezifität und Sensitivität), FNP, Mikrobiologie.

Histologie mit Trucut- und grossvolumige Vakuumbiopsien.

 

Seit den 90er Jahren wird die Duktoskopie zur Diagnostik eingesetzt. Die Läsion kann visualisiert und genau lokalisiert werden (in 90 %, im Vergleich zur Galaktografie mit 76 %). Eine Zytologie (duktale Lavage) oder eine Biopsie können entnommen werden mit ev. gleichzeitigem Entfernen der Läsion. Der Befund kann selektiv entfernt werden im Sinne eines gewebesparenden Eingriffs. Die Nachteile sind, dass nur wenige Gänge sondierbar sind und ab der 5. Bifurkation kein Weiterkommen mehr möglich ist wegen der Lumenbreite. So können die TDLU nicht eingesehen werden, die ja der Entstehungsort der meisten Karzinome sind. Die Duktoskopie hat sich aber noch nicht voll etabliert, und es laufen an mehreren Zentren zurzeit Studien.

 

Die selektive Milchgangsexzision wird wieder mehr propagiert. Gemäss Studien wird die histologische Unterschätzung nach Diagnosestellung eines Papilloms mittels Trucut von mindestens 16 % angegeben. Bei der juvenilen Papillomatose, welche vor allem zwischen dem 10. – 25. Lebensjahr auftritt, ist eine offene Exzision zu empfehlen, da diese häufig multiple sind und mit einem erhöhten Mammakarzinomrisiko einhergehen. Bei Nachweis von Atypien ist die Indikation zur offenen Exzision ebenfalls gegeben. Bei neu auftretender, einseitiger seröser Sekretion in der Postmenopause wird die selektive Milchgangsexzision empfohlen.

 

Studien zeigen, dass nach Vakuumbiopsien nur 69 % der Patientinnen postoperativ keine Sekretion mehr aufweisen im Gegensatz zur offenen Exzision.

 

 

Dr. med. Claudia Braschler

Brustzentrum Zürich, Seefeldstr. 214, 8008 Zürich

www.brust-zentrum.ch

Herzlichen Dank für den Vortrag!

Erika Rusterholz