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Vorwort von Prof. Dr. Hans-Jörg Senn
zu "TAM oder Aromatasehemmer - und der Knochen":
Drei grosse randomisierte klinische Studien (ATAC, IES und BIG-1/98)
sowie eine kleinere italienische Studie (Boccardo) haben in den letzten
Jahren gezeigt, dass sich in der adjuvanten antihormonalen Therapie
mittels Aromatasehemmern der sog. "dritten Generation" (Anastrozol,
Exemestan und Letrozol) im Vergleich mit Tamoxifen bei
hormonrezeptor-positiven Mammakarzinom-Patientinnen eine Verminderung
der Rückfallrate in den ersten postoperativen Jahren erzielen lässt.
Für die zuständige Pharmaindustrie und deren ausserordentlich
potenten Werbeapparat ist dies ein "epochaler Fortschritt", welcher die
Behandlungsaussichten dieser postmenopausalen, hormon-sensiblen
Patientinnen endlich aus der langen therapeutischen Stagnation in der
Tamoxifen-Standard-Aera der letzten 20 Jahre heraushebt!
Dabei hat sich diese bisher nachgewiesene Verbesserung der
rezidiv-freien Überlebensrate, bzw. -zeit bis dato noch nicht auf die
Gesamtüberlebensrate dieser Patientinnen-Kollektive ausgewirkt, nicht
einmal in der ATAC-Studie, welche nun immerhin schon über Daten mit 6
Jahren mittlerer Kontrollzeit berichten kann.
Auch in Bezug auf die akuten Nebenwirkungen und im Blick auf die
Langzeit-Toxizität bestehen bezüglich der neuen Aromatasehemmer im
Vergleich mit Tamoxifen noch viele offene Fragen, dies insbesondere
beim Skelettsystem (Osteoporose-Gefahr und deren Folgen), aber
neuerdings auch kardial (BIG-1-/98Studienresultate), von der deutlichen
Kostendifferenz zwischen Tamoxifen und Aromatasehemmern einmal
abgesehen.
Sind Aromatasehemmer - und wenn ja, welche - heute wirklich bereits
eine zwingende Alternative in der antihormonalen Therapie dieser
Patientinnengruppe gegenüber Tamoxifen?
Und wenn wieder ja, für welche Patientinnen-Untergruppen?
Oder müssen wir, um diese Fragen indikatorisch sinnvoll beantworten
zu können, auf die erst in 2 - 3 Jahren fälligen Daten der sog.
antihormonalen adjuvanten Sequenzierungs-Studien warten (wie z.B. die
Daten der Crossover-Phase aus der Studie BIG-1/98 und weiterer
"Switch-Studien")?
In diesem Referat soll - aus medizinisch-onkologischer Sicht und unter
Berücksichtigung der Empfehlungen des internationalen St. Galler
Therapie-Konsensus 2005 - auf diese Fragen näher eingegangen werden.
Prof. Dr. med. Hans-Jörg Senn
Tumorzentrum ZeTuP St. Gallen und Chur und St. Gallen International Oncology Conferences
www.zetup.ch
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