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BeitragVerfasst am: 28.05.2006 15:49  Antworten mit Zitat
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Anmeldungsdatum: 23.11.2005
Beiträge: 357
Wohnort: Neerach, Region Zürich

anlässlich Senologie-Update vom 4. Mai 2006 in Zürich
(ein Kongress speziell für Gynäkologen, an welchem die neuesten Erkenntnisse bei der Bekämpfung von Brustkrebs vorgetragen wurden):

Herceptin - für wen, wann, wie lange?
Dr. Victor Hofmann, Zürich

Herceptin (Trastuzumab) ist ein humanisierter monoklonaler ("monoclonal antibody", "mab") Antikörper. Eine wichtige Signalstelle für das Gewebewachstum an der Oberfläche von Zellen ist der Humane Epidermale Wachstumsfaktor-Rezeptor (HER). Trastuzumab bindet gezielt an den HER2-Rezeptor. Damit blockiert er die Aufnahme von Wachstumsfaktoren, die die Krebszelle zu gesteigerter Stoffwechselaktivität und zur Teilung anregen.
HER2 gehört zu einer Familie von vier transmembran Tyrosin-Rezeptor Kinasen (TRK): HER1 (ErbB1; EGFR), HER2 (ErbB2 neu), HER3 und HER4. TRK's steuern komplexe Signaltransduktionen und damit die Zellproliferation, die Zelldifferenzierung, die Zelladhäsion und die Zellmigration. In normalen Mengen kontrolliert HER2/neu das normale Wachstum und Entwicklung der Brustzellen. Die Amplifikation und Überexpression von HER2/neu findet in 15 – 25 % der Mammakarzinome statt; sie stören die normale Zellkontrolle und führen zur Entwicklung von aggressiven Tumoren.

Herceptin ist als Monotherapie wirksam bei Tumoren mit Überexpression bzw. Amplifikation des HER2 Gens. In Kombination mit Taxanen, Vinorelbin bzw. Platinsalzen verlängert Herceptin die Lebenserwartung von Frauen mit metastasierenden Mammakarzinomen.
Die Wirkung von Herceptin in der adjuvanten Behandlung wurde in vier randomisierten, multizentrischen Studien geprüft: NSABP B-31, NCCTG, BCIRG du HERA.

In der HERA-Studie wurde Herceptin nach der Chemotherapie gegeben. In den anderen Studien wurde Herceptin nach den Anthrazyklinen aber zusammen mit dem Taxan verabreicht. Untersucht wurden über 13'000 Frauen. Die Studien zeigen eine ca. 50 % Reduktion des krankheitsfreien Überlebens, bzw. 30 % Reduktion der Mortalität. Der Therapieeffekt wurde in allen Subgruppen festgestellt: Alter, Lymphknotenstatus, Differenzierungsgrad, Rezeptorstatus.
Da die Beobachtungszeit noch kurz ist, wissen wir nicht, ob dieser eindrückliche Effekt permanent ist.

Herceptin wird in der Regel sehr gut toleriert. In einzelnen Fällen wird eine allergische Reaktion bei der ersten Applikation beobachtet. Die wichtigste Nebenerscheinung ist eine Herzinsuffizienz NYHA III/IV in weniger als 2 % der Patientinnen. Eine Vorbehandlung mit Anthrazyklinen, eine kardiale Vorbelastung und ein Alter über 60 Jahren sind eindeutige Risikofaktoren für eine Herzinsuffizienz.

Die aktuell empfohlene Therapiedauer ist 12 Monate mit einer Infusion alle 3 Wochen. Geprüft wird, ob eine kürzere Therapiedauer ebenso wirksam ist wie die 12-monatige. Es ist aber auch denkbar, dass Herceptin in Analogie zum Tamoxifen oder den Aromatasehemmern länger appliziert werden muss.
In der HERA-Studie erhält eine Frauengruppe Herceptin für 24 Monate, und die Resultate liegen noch nicht vor.

Im Prinzip muss eine Behandlung mit Herceptin bei jeder Frau bis 70 Jahre mit einem HER2-positiven Tumor bei folgenden Voraussetzungen diskutiert werden: Tumor grösser als 1 cm, Lymphknoten positiv, kardial Auswurffraktion grösser als 55 %. Bei Lymphknoten negativ müssen zusätzliche Risikofaktoren wie Tumor grösser als 2 cm, G2-3 berücksichtigt werden.


PD Dr. med. Victor Hofmann
Brust-Zentrum Zürich
Seefeldstr. 214, 8008 Zürich
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