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<  Verlauf bis OP  ~  Ein Befund - ist eine Operation ohne Biopsie richtig?
erru
BeitragVerfasst am: 01.05.2006 15:46  Antworten mit Zitat
Admin. / Mod.


Anmeldungsdatum: 23.11.2005
Beitršge: 357
Wohnort: Neerach, Region Z√ľrich

Liebe Leserinnen,

Recht oft möchte eine Frau nach dem Auftreten eines Knotens diesen möglichst rasch durch eine Operation entfernt haben. Was kommt nun auf die Betroffene zu?

Die offene Exzisionsbiopsie:
Der tastbare Knoten oder ein verd√§chtiger Bereich (sichtbar bei Mammographie und/oder Sonographie) wird operativ herausgeschnitten. Es kann w√§hrend der Operation eine Schnellschnittuntersuchung durchgef√ľhrt und bei der Diagnose Krebs die Krebsoperation vervollst√§ndigt werden.

Diese Methode birgt jedoch allgemeines Operations-/Narkoserisiko. Im Falle von Krebs könnte dieser angeschnitten oder unvollständig entfernt werden. Der gesuchte Bereich könnte auch verfehlt werden.

Die Patientin wird körperlich (Narkose und Operation) wie psychisch (Ungewissheit, wie die Operation ausgehen wird) stark belastet.
Sollte nur gemacht werden, wenn unklare und verdächtige Befunde nicht durch andere (geschlossene) Biopsieverfahren (Feinnadelpunktion, Stanzbiopsie) abgeklärt werden können.


Dazu folgende Information:

Unter der Leitung des Brust-Zentrums in Z√ľrich fand am 27.5.2005 ein Senologie (Brustkunde)-Update statt.
(Der ganze Kurzbericht √ľber die verschiedenen Vortr√§ge ist in der HP unter "√Ąrzteinformation" / Vortr√§ge nachzulesen.)

Eine der wichtigsten Neuerungen bei der Behandlung der Brust beinhaltet die vollständige Abklärung eines Brustbefundes vor einer Operation.

Dr. Elisabeth Saurenmann zeigte auf, wie unter Zuhilfenahme aller Abkl√§rungsm√∂glichkeiten (Nadelpunktionen, Vacuum-Biopsien, Stereotaktische r√∂ntgengesteuerte Biopsien und Bildgebung, wie Mammographie und Ultraschall) in √ľber 90 % der F√§lle die Diagnose gestellt werden kann.

Bei gutartigem Befund muss entsprechend nicht mehr operiert werden, so dass sich die Anzahl Operationen auf ein absolut n√∂tiges Minimum (< 10 % Eingriffe f√ľr benigne Leiden) beschr√§nken. Frau Saurenmann zeigte auch auf, dass bei Bekanntsein der Diagnose im Falle von Brustkrebs seltener ein zweiter Brusteingriff n√∂tig ist.

Viele unnötige Operationen könnten durch Biopsieverfahren vermieden werden.

Prof. Daniel Fink berichtete √ľber die immer h√§ufiger durchgef√ľhrte medikament√∂se Behandlung vor einer Brustkrebsoperation. Man erh√§lt so Informationen √ľber das Ansprechen eines Tumors auf die verabreichten Medikamente. Zudem wird dadurch etwas Zeit gewonnen, um sich √ľber die durchzuf√ľhrende Operation (Brustentfernung mit oder ohne Rekonstruktion) besser Gedanken machen zu k√∂nnen.


Obiges zeigt, dass es sicher besser ist, zuerst abkl√§ren zu lassen, um was f√ľr einen Tumor es sich handelt. Sollte die Gewebeprobe ergeben, dass er b√∂sartig ist, kann die Operation entsprechend der Diagnose gut geplant werden.

Am 4. Mai 2006 findet das n√§chste Senologie-Update in Z√ľrich statt. Welche Neuerungen wird dieses wohl aufzeigen?

Mit lieben Gr√ľssen
Erika Rusterholz
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erru
BeitragVerfasst am: 14.07.2010 21:09  Antworten mit Zitat
Admin. / Mod.


Anmeldungsdatum: 23.11.2005
Beitršge: 357
Wohnort: Neerach, Region Z√ľrich

Liebe Leserinnen,

Zwischen obigem Beitrag und jetzt sind vier Jahre vergangen. Immer mehr hat sich durchgesetzt, dass, wenn immer möglich, ein Knoten oder Mikroverkalkungen in der Brust vor einer Operation genauestens abgeklärt werden sollten.

Jedoch werfen Biopsien immer wieder Fragen auf, wie: soll ich sie zulassen - oder doch nicht, weil zu gefährlich?
Aussagekr√§ftige Gewebeproben vor einer Operation sind sehr wichtig, denn nur so weiss der Chirurg, um was f√ľr eine Art Tumor es sich handelt und wieviel er herausschneiden muss - auch, wie die weiteren Therapien aussehen werden. Bei einem Mammakarzinom ist es n√∂tig, zus√§tzlich einen Saum von gesundem Brustgewebe zu entfernen.

Wenn die Diagnose der Gewebeprobe aber zeigt, dass der Befund gutartig ist, kann ein kleiner Knoten mittels Vacuum-Biopsie herausgezogen werden, eine Operation er√ľbrigt sich dann.

Aber wie sicher können wir sein, dass die Biopsie auch das richtige Ergebnis zeigt?
Bei meiner ersten Biopsie unter Ultraschall durch den Chefarzt der Radiologie (er begutachtete jeweilen die dort gemachten Mammographien) hiess anschliessend die Diagnose: "kein Karzinomnachweis". Ich selber hatte gesehen, wie die Nadel im Ultraschallbild bei dem dunkel erscheinenden Befund angekommen war. Beim Herausziehen der Nadel (Trucut-Biopsie) war auch etwas Gewebe vorhanden. Ein zweiter Versuch gab dann fast nichts mehr her, die Nadel schien an etwas abzuprallen.

Ich wiegte mich also in Sicherheit - der Knoten wuchs jedoch weiter, ich wollte ihn entfernt haben. Meine Wahl fiel dann auf das Brustzentrum in Z√ľrich. Mittels Vacuum-Biopsie wurde der gr√∂sste Teil des Knotens auf meine Bitte hin herausgezogen. Jetzt lautete die Diagnose jedoch: invasiv-duktales Mammakarzinom, 12 mm gross!
(d.h. andernorts wurde danebengestochen... und 1 oder 2 Proben sind nicht ausreichend f√ľr eine aussagekr√§ftige Diagnose)

Warum diese verschiedenen Diagnosen?
Ein Radiologe, speziell wenn älter, wie in meinem Fall, hat nicht die Erfahrung mit Biopsien, welche ein Arzt in einem guten Brustzentrum hat. Dieser hat fast täglich mit Brusterkrankungen zu tun, kennt verschiedene Biopsiemethoden und weiss, welche wann angebracht ist:

Die Feinnadelpunktion/FNP ergibt nur einzelne Zellen, also wenig Gewebematerial (wird heute kaum mehr angewendet).
Die Hochgeschwindigkeits-Stanzbiopsie mit dickerer Nadel ergibt kleine Gewebest√ľcke - ein Knoten kann jedoch nicht vollst√§ndig entfernt werden.
Die ultraschallgesteuerte Mammotome¬ģ Vakuumbiopsie ergibt durch die gr√∂ssere Menge an Gewebe eine pr√§zisere Diagnose - kleinere Ultraschallbefunde k√∂nnen komplett entfernt werden.
Die stereotaktische Mammotome¬ģ Vakuumbiopsie ist speziell f√ľr die Untersuchung von Mikroverkalkungen geeignet - kleine Herde bis etwa 1 cm k√∂nnen vollst√§ndig entfernt werden.

Ausf√ľhrliche Erkl√§rungen: klick

Wenn eine Biopsie erfolgreich abläuft, sieht das im Ultraschall so aus:



Der weisse Strich quer durch den orange umrundeten Befund zeigt die Blutspur beim R√ľckzug der Biopsienadel. Der Knoten wurde somit richtig getroffen.
Es scheint mir also wichtig, dass auch wir Frauen das Ultraschallgerät im Blick haben, wenn eine Biopsie ansteht.

Die Frage ist auch immer wieder: kann eine Biopsie Krebs streuen?
Unter gleichnamigem Titel in dieser Rubrik ist eine Antwort auf diese Frage eingef√ľgt von PD Dr. med. Christoph Rageth.
Zusätzlich kann erwähnt werden, dass bei der anschliessenden Operation des bösartigen Gewebes auch der Einstichkanal mit herausgeschnitten wird.

Ich hoffe, diese Angaben verringern die Unsicherheit, und w√ľnsche alles Gute!
Erika Rusterholz
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