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<  Tumorentfernung, Brustkorrektur  ~  Eigenfett besser als Eigengewebe?
DrFrankBusse
BeitragVerfasst am: 29.01.2011 23:04  Antworten mit Zitat



Anmeldungsdatum: 25.01.2011
Beiträge: 1

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

in der letzten Zeit hört man ständig etwas über das Thema "Eigenfett" - fast hat man den Eindruck, daß Eigenfett jetzt der neueste Schrei sei und Eigengewebe gänzlich verdrängt habe. (Dabei ist Eigenfett natürlich auch eine Form von Eigengewebe).
Ich möchte daher aus ärztlicher Sicht einige Anmerkungen zum Thema "Eigenfett" machen:

Eigenfett ist ein mindestens 100 Jahre alter Traum, der immer wieder in den Blickpunkt des medizinischen Interesses getreten ist und aktuell tatsächlich eine erneute Renaissance erfährt. Vor mehr als 100 Jahren wurde bereits versucht, eigenes Fett zu entnehmen und an anderer Stelle dem Körper wieder zuzuführen. Der Erfolg war nicht sehr dauerhaft, weil die Fettzellen gegenüber mechanischen Einflüssen sehr empfindlich sind.

Das ist auch bis heute das große Problem, daß die Fragen zur Art der Entnahme und zur Aufbereitung des Fettes noch lange nicht zufriedenstellend beantwortet werden können:
Woher soll man das Fett am besten nehmen?
Mit wieviel Sog darf man bei der Entnahme arbeiten?
Wie soll das Fett von der Flüssigkeit separiert werden (zentrifugieren?, Filter?, spez. Spritzen?)
Wie soll das Fett zurück implantiert werden? (dünne Kanülen verstopfen, dicke hinterlassen zu große Fett"klumpen", deren Einheilung nicht optimal ist), etc.

Für kleinere Eingriffe, wie das Ausgleichen von kleineren Dellen im Gesicht oder von Narben, kann man schon ganz gute Prognosen über das zu erwartende Resultat geben, da nur etwa 30 - 50 % der verpflanzten Menge einheilen.
Wenn man aber eine Brust rekonstruieren möchte, dann benötigt man je nach Körbchengröße mind. 200 - 400 ml erfolgreich verpflanztes Fettgewebe. Da 30 - 50 % einheilen, muß man also in mehren Operationen diese Fettmenge verpflanzen, denn 200 - 400 ml können nicht in einer Operation im Empfängergebiet einheilen. Das hat mit der Blutversorgung am Ort des Einheilens zu tun. Denn die verpflanzten Fettzellen müssen erst durch Einsprosssen von Blutgefäßen Anschluß an die Sauerstoffversorgung gewinnen.

Wenn man zuviel Fettzellen in einer Sitzung verpflanzt, dann sterben Zellen ab, bevor sie von Blutgefäßen erreicht werden, und bilden entweder Ölzysten oder verkalken, was in der Mammographie bisweilen erhebliche Probleme bereiten und in der Differentialdiagnostik zu einem DCIS führen kann.
Durch Anreicherung von Stammzellen (extrem teuer) oder durch die Vorbereitung des Empfängergebietes mittels eines speziellen Unterdruck-BH-Systems (Firma Brava TM, der über mehrere Wochen vor und nach der Fettverpflanzung getragen werden muß), kann man die Einheilungsrate der verpflanzten Fettzellen durchaus steigern, aber all diese Verfahren haben bisher noch keinen Weg in die allg. Routineanwendung gefunden.

Da viele Brustpatientinnen, die sich für einen Brustaufbau mit Eigengewebe / Eigenfett interessieren, entweder Probleme mit einem Silikonimplantat hatten oder evtl. bestrahlt wurden, ist das Empfängerbett bzgl. seiner Durchblutungseigenschaften möglicherweise gegenüber "gesundem" Gewebe nochmals reduziert.

Insgesamt denke ich, daß das Thema "Eigenfett" für die Zukunft durchaus einen vielversprechenden Ansatz bietet, allerdings aus o.g. Gründen im Moment das "beste" Standardverfahren mittels Brustaufbau durch Eigengewebe (DIEP, S-GAP, Gracilis, etc) noch nicht verdrängen kann.

_________________
Dr. Busse

http://www.brustaufbau-mit-eigengewebe.info/
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