Autor Nachricht
<  Verlauf nach OP  ~  Was ist Livial oder Liviella, wofür wird es eingesetzt?
erru
BeitragVerfasst am: 08.07.2007 14:44  Antworten mit Zitat
Admin. / Mod.


Anmeldungsdatum: 23.11.2005
Beiträge: 160
Wohnort: Region Zürich

Liebe Leserinnen,
Vor einiger Zeit bin ich in einem deutschen Krebs-Forum auf die untenstehende Anfrage gestossen:

"Ich leide seit meiner BK-Erkrankung 4/2001 (Hormonrezeptoren positiv) an enormen Schlafstörungen, die wohl mit Beginn der Wechseljahre zusammehängen.
Nun hat mir mein Gynäkologe geraten, Liviella/Tibolon einzunehmen.
Wer hat Erfahrung mit dieser Hormoneinnahme? Welche Bedenken gibt es bezüglich BK + Liviella?"


Darauf habe ich, neben anderen Forumsbesucherinnen, in der Antwort über meine Erfahrungen mit Livial/Liviella berichtet:

"Seit Ende Juli 2006 nehme ich Livial (ist das gleiche wie Liviella), jedoch nur jeden 2. Tag eine Tablette mit 2,5 mg, verschrieben auf meinen Wunsch hin von meinem Gynäkologen und mit dem Einverständnis meines Nachsorgearztes. Letzterer erwähnte, dass das Medikament Livial mit dem Wirkstoff Tibolon an Frauen abgegeben werde, wenn andere Mittel gegen Wallungen und weitere Menopause-Folgeerscheinungen nicht genügende Besserung bringen. Es stoppt auch den Prozess, der zum Verlust der Knochensubstanz führt.

Mein vor über drei Jahren operierter Brustkrebs wies beidseits positive Hormonrezeptoren auf. Nach einem Jahr setzte ich jedoch Arimidex ab, ich litt immer mehr unter Oestrogenmangel (siehe "Nachsorge" in meiner Homepage). Mein mittlerweile 71-jährig gewordener Körper produziert wohl keine Geschlechtshormone mehr.

Mit Livial sind die Schlafstörungen nun weg, die Schleimhäute nicht mehr trocken, die Haut sieht auch wieder viel besser aus. Und der beginnende Knochenzerfall sollte nun wohl auch gestoppt werden können. Ich bin absolut glücklich mit diesem Medikament.
Meine bis anhin mit Livial gemachten Erfahrungen sind also sehr positiv!
Ich selber habe ja angesichts meines fortgeschrittenen Alters entschieden, die Antihormontherapie abzubrechen und mit geringster Dosis Livial die noch vor mir liegende Lebensspanne zu verbessern."


Darauf sind einige weitere Beiträge geschrieben worden, welche im Stil "Hände weg" von Hormonen handeln, z.B.:
"Ich bin irritiert, dass Ärzte bei hormonrezeptor-positivem Befund Östrogene verschreiben. Ich habe viel darüber gelesen und mich auch beraten lassen. Da Östrogene den Krebs "füttern", müsste doch eigentlich eher alles dagegen getan werden. Ich nehme auch Arimidex und bin nicht unbedingt glücklich darüber, denke aber, damit genau das Richtige zu tun, um Metas zu vermeiden. Liege ich damit falsch????"
oder auch:
"Außerdem verschrieb er mir eine östrogenhaltige Creme gegen Scheidentrockenheit, die hab ich aber noch nicht genommen!!
Bin auch irritiert, der eine Arzt sagt so, der Nächste so...??"


Livial ist mit dem Wirkstoff Tibolon kein Hormon wie Oestrogen. Können also BK-Betroffene dieses Medikament gegen unerwünschte Wechseljahrbeschwerden einnehmen? Und wie steht es mit einer Oestrogen-Creme? Kann diese bedenkenlos angewendet werden?

Ich habe nun einer mir bekannten Chefärztin der Frauenklinik des Bezirksspitals Affoltern (bei Zürich) die Diskussion um Livial/Liviella unterbreitet.
Ganz vielen Dank für eine entsprechende Erklärung!
Erika Rusterholz
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden Website dieses Benutzers besuchen
das
BeitragVerfasst am: 08.07.2007 16:38  Antworten mit Zitat



Anmeldungsdatum: 16.02.2007
Beiträge: 5
Wohnort: Nähe Zürich

Ich gebe gerne meine Ansicht zu Livial und der angesprochenen Oestrogen-Creme:

Mit Livial ist das so eine Sache. Livial ist ein SERM (selektiver Estrogen Rezeptor Modulator) und damit kein eigentliches Hormon, aber doch ein hormonähnlich wirksames Medikament. Gemäss heutiger Datenlage wird nicht empfohlen, dieses Medikament bei hormonrezeptorpositivem Mamma-Ca zu verschreiben. Nach 5 Jahren kann man aber diese Regel etwas weniger streng handhaben.

Bei der lokalen Applikation der Oestrogen-Creme wird nur sehr wenig Hormon in den Körper aufgenommen und so schnell wieder durch die Leber abgebaut, dass man davon ausgeht, dass dieses lokal applizierte Hormon keine systemische (ganzkörperliche) Wirkung ausübt. Diese Anwendung ist demnach erlaubt. Es gibt auch Cremes/Vaginalovula, die gar nicht resorbiert (vom Körper aufgenommen) werden und deshalb als noch sicherer gelten. Dieses Produkt heisst in der Schweiz COLPOTROPHINE.

Am Schluss muss man – wie immer im Leben – allfällige Vor- und Nachteile gegeneinander abwägen.
Ein dauerndes Leiden durch ein Medikament, das in einigen Fällen das Leben verlängern kann, ist wohl auch nicht ideal, oder???


Dr. Danielle Schreiber, Chefärztin Frauenklinik
Bezirksspital Affoltern, CH-8910 Affoltern a.A.

spitalaffoltern.ch
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden Website dieses Benutzers besuchen
erru
BeitragVerfasst am: 02.04.2009 21:16  Antworten mit Zitat
Admin. / Mod.


Anmeldungsdatum: 23.11.2005
Beiträge: 160
Wohnort: Region Zürich

Erkenntnisse über Livial/Liviella mit dem Wirkstoff Tibolon:

Ich hatte bis anhin Livial in den Foren verteidigt, denn nach beidseitig operiertem Mammakarzinom vor fünf Jahren musste ich Arimidex einnehmen, welches ich jedoch nach einem Jahr absetzte, ich war dadurch mager geworden, hatte Schlafschwierigkeiten und fühlte mich ausgetrocknet.
Ich litt zusehends an Oestrogenmangel.
Ein Jahr später hielt ich diesen Zustand nicht mehr aus und erhalte nun seit über 2 1/2 Jahren Livial, nehme jedoch nur jeden 2. Tag eine Tablette mit 2,5 mg. Das genügt, damit ich mich wunderbar fühle.


Anlässlich des Gynäkologie-Updates 2009 Ende Januar in Zürich konnte ich einem Vortrag über Livial entnehmen, dass Frauen bis zu 40 Jahren kein Livial verschrieben werden soll.

Ich habe mich dann an kompetenter "Livial"-Stelle erkundigt und kürzlich von Essex Chemie AG, Luzern, eine Antwort erhalten auf die Frage: "Kann Livial für Frauen mit Brustkrebs eingenommen werden (gehört habe ich, dass Frauen bis zu 40 Jahren kein Livial verschrieben werden soll), was sind die Risiken/Nebenwirkungen?".

Mit Genehmigung veröffentliche ich diese Antwort hier und auch im Krebs-Kompass-Forum: bitte hier anklicken


Da ich durch den oben erwähnten Vortrag selber etwas unsicher geworden bin, wollte ich dann vom Referenten wissen, ob für mich Livial ebenfalls ungeeignet wäre. Seine Antwort habe ich so verstanden, dass ich Livial unbesorgt weiter mit der halben Dosis einnehmen dürfe, dies wegen meines Alters (73) und der sehr schlanken Postur.
Die Lebensqualität sei da auch entscheidend - und diese sei durch Livial bei mir sichtlich verbessert worden.

So scheint mir, dass bei älteren Frauen von Fall zu Fall zu entscheiden wäre, ob Livial/Liviella auch nach einer Brustkrebserkrankung doch eingesetzt werden könnte.

Ich hoffe, dieser Beitrag beantwortet einige offene Fragen.
Erika Rusterholz
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden Website dieses Benutzers besuchen
Beiträge vom vorherigen Thema anzeigen:   
Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde

Nächstes Thema anzeigen
Vorheriges Thema anzeigen
Seite 1 von 1
Brustkrebs-Forum Foren-Übersicht  ~  Verlauf nach OP

Neuen Beitrag schreiben   Auf Beitrag antworten


 
Gehen Sie zu:  

Sie können keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Sie können auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Sie können Ihre Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Sie können Ihre Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Sie können an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.




Powered by phpBB and NoseBleed v1.09