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<  Medizinisch Interessantes  ~  Behandlung von Tumoren und Ablegern in der Leber
erru
BeitragVerfasst am: 12.05.2015 19:40  Antworten mit Zitat
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Anmeldungsdatum: 23.11.2005
Beitršge: 357
Wohnort: Neerach, Region Z√ľrich

Publikation von Prof. Dr. med. Hans U. Baer,
FMH Chirurgie, Viszeralchirurgie:


Leberkrebs heute besser behandelbar

Leberkrebs ist in der Schweiz eine zwar immer noch seltene, aber zunehmende Erkrankung. B√∂sartige Tumore streuen h√§ufig Zellen in die Leber und bilden dort Tochtergeschw√ľlste.
Auch andere Krebsarten, wie Dickdarm-, Brust-, Nieren oder Lungenkrebs, k√∂nnen Ableger in der Leber bilden. Operationen bei Leberkrebs und b√∂sartigen Tochtergeschw√ľlsten in der Leber galten noch in den 70er-Jahren als kaum operierbar und gef√§hrlich.

Heute bedeutet der Befall der Leber mit einem b√∂sartigen Tumor nicht mehr von vornherein, dass die Krankheit zum Tode f√ľhren muss. Verbesserte chirurgische Techniken und Ger√§te, die ein sorgf√§ltiges und Gewebe sparendes Wegschneiden des b√∂sartigen Gewebes erlauben, fr√ľherer Nachweis eines Leberbefalls mit moderner Radiologie (Computer- und Kernspintomographie), verfeinerte Narkoseverfahren und Betreuung auf der Intensivstation f√ľhren zu stark verbesserten Resultaten und k√∂nnen vielen Betroffenen wieder Hoffnung geben. Zus√§tzlich zeigen neue Verfahren, wie die Abt√∂tung von Krebsgeschw√ľlsten durch Schockgefrieren, Hitzeabt√∂tung oder konzentrierten Alkohol bereits gute Erfolge.

Chirurgische Entfernung von Lebergewebe
Die Leber ist ein f√ľr viele Stoffwechselvorg√§nge einzigartiges Organ. F√ľr die Entgiftung von Blutstoffen muss deshalb immer gen√ľgend funktionelles Lebergewebe vorhanden sein. Ist das Lebergewebe, das nach der Entfernung von b√∂sartigem Gewebe im K√∂rper verbleibt, gesund, k√∂nnen bis zu 70 % des Lebergewebes entfernt werden. Dies ist m√∂glich, da die Leber die Eigenschaft besitzt, nachwachsen zu k√∂nnen. Bereits 14 Tage nach dem Eingriff kann die Leber wieder ihre normale Gr√∂sse erreichen und nach rund einem Monat normal funktionieren. Bei einer durch √ľberm√§ssigen Alkoholkonsum oder Hepatitis (chronische Leberentz√ľndung) gesch√§digten oder ver√§nderten Leber (z.B. Leberzirrhose) ist eine Operation allerdings sehr schwierig oder gar unm√∂glich. Bis heute galt die komplette Entfernung von b√∂sartigem Lebergewebe mit einem grossen Sicherheitsabstand als einzig m√∂gliche Chance auf Heilung der Erkrankung.

B√∂sartige Ableger in der Leber sind die h√§ufigsten Ursachen f√ľr eine Operation. Die Ableger bilden in der Leber verschiedene Knoten und sind ein Anzeichen daf√ľr, dass die Erkrankung bereits den ganzen K√∂rper betrifft. Deshalb kann nur bei etwa 20 - 30 % der den Chirurgen zugewiesenen Patienten noch eine Leberoperation durchgef√ľhrt werden. Aufgrund von wissenschaftlichen Untersuchungen und von Nachkontrollen herrscht heute in der Medizin die Auffassung, dass Leberableger von Dickdarmkrebs unter vier Bedingungen operiert werden sollten: Der Dickdarmtumor selbst muss operativ entfernbar sein, und ausserhalb der Leber d√ľrfen keine weiteren Ableger vorhanden sein. Zudem sollten in der Leber nicht mehr als vier Tumore nachgewiesen werden, und bei der Operation muss ein Abstand von mind. 1 cm zum gesunden Gewebe eingehalten werden k√∂nnen. Unter diesen Voraussetzungen kann eine 5-j√§hrige √úberlebenszeit bei 20 - 40 % der Betroffenen erreicht werden.

Neue Behandlungsmöglichkeiten:
Alkoholinjektionen, Hitze und Kälte

In den F√§llen, in denen eine Operation nicht oder nur mit grossem Risiko durchgef√ľhrt werden kann, stehen heute neue Behandlungsmethoden zur Verf√ľgung. Mit guten Erfolgsaussichten k√∂nnen einzelne Knoten von Leberkrebs mit einem Durchmesser von bis zu 3 cm mit konzentriertem Alkohol behandelt werden. Er wird mit einer Spritze durch die Haut direkt in den Knoten eingebracht. F√ľr Befunde, bei denen ganze Leberteile mit vielen kleinen Knoten durchsetzt sind, kann √ľber die Leiste und die Leberschlagader ein Katheter in die Leber eingef√ľhrt werden. Mit hochkonzentrierten Chemotherapeutika k√∂nnen auf diesem Weg ganze befallene Gewebsareale behandelt werden. Beide Methoden zielen auf eine mindestens teilweise Zerst√∂rung des b√∂sartigen Gewebes ab, und die Behandlung kann, falls n√∂tig, mehrmals durchgef√ľhrt werden. Der Erfolg ist weitgehend abh√§ngig von der Art des b√∂sartigen Gewebes, von der Ausdehnung des Befalls und davon, wie das Gewebe auf die eingesetzten Substanzen anspricht.

In neuen Verfahren wird mit Hilfe von K√§lte (Kryotherapie) oder Hitze (Radio- und Hochfrequenzablation) eine direkte Sch√§digung oder Abt√∂tung des b√∂sartigen Gewebes erwirkt. Bei beiden Verfahren werden, sei es bei einer Operation mit ge√∂ffnetem Bauchraum oder mittels R√∂ntgenkontrolle durch die Haut, Spezialsonden direkt in die Krebsherde eingelegt. An der Spitze der Sonde wird bei der Kryotherapie eine Temperatur von -195¬į C erzeugt. Um diese Spitze herum bildet sich eine Eisellipse, in der b√∂sartige Zellen bis zu einem Abstand von ca. 2 cm sicher abget√∂tet werden, da alle Zellen bei einer Temperatur von -50¬į C absterben. Die Zerst√∂rung von Krebsherden mit Hitze verl√§uft analog, indem an der Sondenspitze entsprechend hohe Temperaturen erzeugt werden.

Kombination der Verfahren bringt grösste Erfolge
Nach wie vor kann ein sicherer Nachweis √ľber die Menge der Krebsableger in der Leber nur mit einer offenen chirurgischen Leberuntersuchung erbracht werden, unterst√ľtzt durch Ultraschalluntersuchungen der Leber w√§hrend der Operation. Die gr√∂sste Wirkung erreichen K√§lte- und Hitzeverfahren in Kombination mit chirurgischen und onkologischen Methoden. Im Rahmen der gleichen Operation k√∂nnen so Krebsherde der Leber weggeschnitten, einzelne Ableger mit Hitze oder K√§lte bearbeitet und die Restleber mit Antikrebssubstanzen behandelt werden.
Obwohl in Langzeitstudien noch nicht erwiesen ist, ob die K√§lte- oder Hitzebehandlung allein eine Heilung des Krebsleidens erreichen kann, steht heute dennoch fest, dass sie ganz neue Indikationen f√ľr die Behandlung von Leberkrebs und Leberablegern erm√∂glicht haben. Auch wenn die Leberoperation heute noch als Behandlungsform im Vordergrund steht, so k√∂nnen die Resultate in Kombination mit anderen Verfahren doch deutlich verbessert werden.

Welche Behandlungsmethode ist in welchem Fall angezeigt?
Es gibt kein Musterschema f√ľr den Einsatz der verschiedenen Behandlungsm√∂glichkeiten oder deren Kombination. Daher ist eine gesamtheitliche Abkl√§rung des einzelnen Falls mit √Ąrzten all jener Fachrichtungen, die sich mit der Abkl√§rung und der Behandlung von Lebererkrankungen befassen, eine Notwendigkeit. Nur so kann f√ľr jeden Betroffenen die individuell beste Behandlung ausgearbeitet werden.

Die Ausf√ľhrungen √ľber neue Behandlungsmethoden beim Leberkrebs und bei Leberablegern von Tumoren soll weder bei Betroffenen, noch bei ihren Angeh√∂rigen falsche oder √ľbertriebene Hoffnungen wecken. Diese Erkrankungen sind auch heute noch schwerwiegend. Doch die neuen Behandlungsmethoden und ihre Kombination mit bestehenden chirurgischen Verfahren k√∂nnen vielen Patientinnen und Patienten wieder Mut machen, die fr√ľher nicht oder nur ungen√ľgend behandelt werden konnten.
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erru
BeitragVerfasst am: 10.02.2017 04:08  Antworten mit Zitat
Admin. / Mod.


Anmeldungsdatum: 23.11.2005
Beitršge: 357
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siehe auch die Facebook-Einträge von

Baermed
https://www.facebook.com/Baermed-139167609486835/?ref=page_internal&fref=nf

speziell denjenigen vom 22. Sept. 2016:
Nicht jeder Tumor muss entfernt werden.
Manche Lebertumore verursachen keine Beschwerden.

Baermed. Zentrum f√ľr Bauchchirurgie / Viszeral Chirurgie und Referenzzentrum f√ľr Adipositaschirurgie -
das Team besteht aus Prof. Dr. med. Hans U. Baer sowie Dr. med. Bolko von Gerstenbergk-Helldorf
http://www.baermed.ch/
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