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erru
BeitragVerfasst am: 23.11.2013 18:24  Antworten mit Zitat
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Anmeldungsdatum: 23.11.2005
Beitršge: 357
Wohnort: Neerach, Region Z√ľrich

erschienen am 19. November 2013 in
senolog.de
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10 Jahre Tamoxifentherapie? Wer profitiert wirklich?

Die Verl√§ngerung der Hormontherapie mit Tamoxifen von 5 auf 10 Jahre kann Patientinnen mit √∂strogenrezeptor-positivem Mammakarzinom vor Rezidiven sch√ľtzen und die Brustkrebssterblichkeit weiter reduzieren. Die Vorteile treten allerdings erst nach dem Ende der Therapie, also in der zweiten Dekade nach der Diagnose auf. Dies geht aus einer randomisierten klinischen Studie hervor, die im letzten Jahr (2012); publiziert wurde, wie auch das √Ąrzteblatt berichtete.

Insgesamt k√∂nne die Tamoxifentherapie (einschlie√ülich der ersten 5 Jahre und gegen√ľber einer Nicht-Behandlung) das Sterberisiko am Mammakarzinom halbieren, schreibt die Stiftung Cancer Research UK, einer der Sponsoren der Studie. Hierbei bezieht sich diese Aussage auf das relative Risiko, welches in dieser prognostisch g√ľnstigen Gruppe von Brustkrebspatientinnen nicht sehr hoch ist. Bei den Patientinnen, die vor allem unter den klimakterischen Beschwerden leiden, hielt sich die Begeisterung in Grenzen. W√§hrend der zweiten 5 Jahre der Tamoxifentherapie sollen etwa 40 Prozent der Frauen die Therapie abgebrochen haben.

An der ‚ÄěAdjuvant Tamoxifen: Longer Against Shorter‚Äú oder ATLAS-Studie nahmen 12.894 Brustkrebspatientinnen teil, die bereits √ľber 5 Jahre mit Tamoxifen behandelt worden waren. Sie wurden vom Team um Christina Davies von der Universit√§t Oxford nach dem Zufallsprinzip entweder in die Gruppe, in der die Tamoxifen-Therapie f√ľr weitere 5 Jahre fortgesetzt wurde oder in eine Kontrollgruppe eingeteilt, in der die Therapie beendet wurde (und auch keine Placebos verabreicht wurden). In absoluten Zahlen ist der Zusatznutzen nicht sehr hoch, aber eindeutig. Die Gesamtzahl der Rezidive in den Jahren 5 bis 14 wurde von 25,1 auf 21,4 Prozent, also um 3,7 Prozentpunkte gesenkt. Die Brustkrebssterberate sank von 15,0 Prozent auf 12,2 Prozent oder um 2,8 Prozentpunkte. Bei der Gesamtsterblichkeit wurde kein signifikanter R√ľckgang erreicht.

Den Vorteilen steht eine erh√∂hte Toxizit√§t gegen√ľber. Ein besonderes Problem ist die Entwicklung von b√∂sartigen Ver√§nderungen der Geb√§rmutterschleimhaut (Endometriumkarzinom). Sie wurden in den Jahren 5 bis 14 bei 3,1 Prozent der Frauen mit 10-j√§hriger Tamoxifentherapie und bei 1,6 Prozent der Frauen mit 5-j√§hriger Tamoxifentherapie diagnostiziert (Todesf√§lle: 0,4 versus 0,2 Prozent). Bei den Lungenembolien gab es nur einen Anstieg der nicht-t√∂dlichen Ereignisse. Betrachtet man alle nach den Arzneimittelinformationen h√§ufig (Auftreten bei mehr als 1 von 100 Behandelten) zu beobachtenden Nebenwirkungen ist die Therapie nicht ganz Nebenwirkungsfrei. Es zeigen sich vor√ľbergehende Blutarmut (An√§mie), Benommenheit, Kopfschmerzen, z. T. r√ľckbildungsf√§hige Sehst√∂rungen durch Tr√ľbungen der Augenlinse oder der Hornhaut und/oder Netzhautver√§nderungen (Retinopathien). √úbelkeit, Hautausschlag, Haarausfall, Fl√ľssigkeitsanreicherung im Gewebe, Anstieg bestimmter Blutfette (Serumtriglyceride), Durchblutungsst√∂rungen der Hirngef√§√üe, Wadenkr√§mpfe, Blutgerinnsel in den Venen (Thrombose), Hitzewallungen zu Therapiebeginn, Knochenschmerzen und Schmerzen im Bereich des erkrankten Gewebes sowie Ausfluss aus der Scheide, bei Frauen vor den Wechseljahren auch Unregelm√§√üigkeiten bei der monatlichen Regelblutung.

All diese Ver√§nderungen f√ľhren im Einzelfall zu einer nicht unerheblichen Beeintr√§chtigung der Lebensqualit√§t und m√ľssen deshalb einer sorgf√§ltigen Risiko-Nutzen Abw√§gung unterzogen werden.

Kommentar Mammazentrum Hamburg:
Aus den genannten Gr√ľnden wird die Empfehlung zur 10j√§hrigen Therapie nur sehr z√∂gerlich umgesetzt. Ein Ausweg k√∂nnte k√ľnftig die Bestimmung molekularer Risikofaktoren darstellen. Eine Forschergruppe (Factors Predicting Late Recurrence for Estrogen Receptor‚ÄďPositive Breast Cancer. I. Sestak et al., J Natl Cancer Inst (2013) doi: 10.1093/jnci/djt244 First published online: September 12, 2013) konnte zeigen, dass mit diesen neuen Verfahren genauere Aussagen zu Risiko eines sp√§ten Rezidivs gemacht werden k√∂nnen, als dies bisher m√∂glich war. Damit w√ľrde die Entscheidung von Patientinnen und √Ąrzten zu einer 10j√§hrigen Tamoxifentherapie wesentlich erleichtert werden.



Prof. H. Peter Scheidel
Mammazentrum Hamburg
http://www.senolog.de/

Anmerkung: ist Mitglied von Brustkrebs-Wissen hilft weiter
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