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<  Verlauf nach OP  ~  Tamoxifen alleine - oder Tamoxifen plus Zoladex?
erru
BeitragVerfasst am: 06.03.2011 08:02  Antworten mit Zitat
Admin. / Mod.


Anmeldungsdatum: 23.11.2005
Beiträge: 357
Wohnort: Neerach, Region Zürich

an die Frauen, vor der Menopause stehend:

Liebe Leserinnen,

Ich bin vermehrt auf Aussagen gestossen, dass die Nebenwirkungen der Antihormontherapie sehr schlecht vertragen werden - dies speziell dann, wenn Tamoxifen zusammen mit Zoladex verschrieben worden ist.
Auch im Forum der Krebsliga Schweiz war dies während der vergangenen Monate ein Thema.
Der jüngste Beitrag: eine 34-jährige Frau leidet zu sehr unter den Nebenwirkungen bei der Einnahme von Nolvadex und Zoladex und setzt die Therapie nach 3 ½ Jahren ab. Sie fragt auch, wer frühzeitig mit der Therapie aufgehört habe und Tipps geben könne.

Was ich dort geantwortet habe, möchte ich hier ähnlich widergeben, denn es gibt sicher noch viele Frauen, welche diese Kombination verschrieben erhalten haben und ebenfalls mit den Nebenwirkungen kämpfen.

Nolvadex mit dem Wirkstoff Tamoxifen ist ein Antiöstrogen, dieses hemmt die unerwünschte wachstumsfördernde Wirkung der Östrogenhormone auf die Zellen. Das Medikament lagert sich anstelle von Östrogen an bestimmte Bindungsstellen, sogenannte Rezeptoren. Es hat also keinen Einfluss auf die Hormonproduktion im Körper.
Zoladex jedoch unterbindet die während des Menstruationszyklus in den Eierstöcken produzierte grosse Menge an Östrogen, was doch grössere zusätzliche Nebenwirkungen verursacht.
Vielfach werden also beide Medikamente zusammen verschrieben, weil die Meinung vorherrscht, der Nutzen sei grösser.

Um mehr darüber zu erfahren, habe ich einen Spezialisten zu Rate gezogen -
Herr Prof. Dr. med. Beat Thürlimann, St. Gallen, hat geantwortet:
Für Frauen in der Prämenopause gibt es 2 antihormonelle Standardtherapien:
Tamoxifen allein und LHRH-Analoga (also z.B. Zoladex) + Tamoxifen.
Beide Therapien sind wirksam und seit vielen Jahren als Standard akzeptiert.

Zur Zeit läuft die Studie IBCSG 24 SOFT, um herauszufinden, ob ein Zusatz zu Tamoxifen wirksamer ist, als Tamoxifen alleine.
Man weiss heute also nicht, ob man LHRH verordnen MUSS, falls man Tamoxifen verschreibt - und trotzdem wird beides häufig zusammen verordnet.


Mehr dazu siehe
"Zusatzangaben nur für Frauen, welche bei Behandlungsbeginn PRÄMENOPAUSAL sind" in http://www.brustkrebsverlauf.info/brustzentrum/antihormone_bz.htm


Meine Antihormontherapie habe ich im Mai 2005, nach genau einem Jahr, zwar auch abgesetzt, jedoch kann mein Fall nicht als Vergleich zugezogen werden.
Mit meinen damals fast 70 Jahren produzierte mein Körper sowieso kaum mehr Hormone, auch hatte ich während der Einnahme von Arimidex (blockiert die Östrogene schon bei der Entstehung, die Nebenwirkungen sind daher enorm) ein paar Kilos abgenommen und bestand gerade noch aus Knochen, Muskeln und pergamentartiger Haut - ich fühlte mich ausgetrocknet, es ging mir elend.

Meine beiden mich heute noch umsorgenden Ärzte (der Chirurg und der Nachsorgearzt) wollten mich zwar überzeugen, zu Tamoxifen zu wechseln, was jedoch wegen einer früheren Thrombose für mich ungünstig gewesen wäre. Sie waren dann mit der Absetzung einverstanden: wegen des Alters und des nicht mehr vorhandenen Fettgewebes.

Mein Tipp:
Die Antihormontherapie bei starken Nebenwirkungen nicht einfach aufgeben, denn es sollten ja möglichst die sich eventuell irgendwo noch aufhaltenden Krebszellen am Wachstum gehindert werden, speziell dann, wenn die Rezeptoren des Tumors eine hohe Hormonpositivität aufwiesen.

Jedoch könnte die Antihormontherapie mit Tamoxifen alleine weitergeführt werden, ohne ein zusätzliches Medikament mit den Wirkstoffen Goserelin (Zoladex®) und Leuprorelin. Der Nutzen ist trotzdem gegeben.

Ich selber habe Tamoxifen zwar nie eingenommen, könnte mir aber vorstellen, dass es als Alleinmedikament noch gut verträglich wäre; es wirkt nicht so einschneidend auf den Hormonhaushalt, die Nebenwirkungen sind doch weniger, als zusammen mit Zoladex, welches eine Frau in die Wechseljahre versetzt.
Und wenig Fett im Körper zu haben hilft ebenfalls, dann ist die Östrogenproduktion auch geringer...

Ich hoffe, diese Informationen können zu einem besseren Leben mit der Therapie verhelfen. Von Herzen alles Gute!
Erika Rusterholz
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