Anmeldungsdatum: 27.04.2010
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Es war 1990:
Wir wollten ein Break machen, um unseren lang ersehnten Wunsch einer ca. 2-jährigen Weltreise zu verwirklichen. Wir haben uns beim Arzt durchchecken lassen und 6 Monate vor der Reise unsere Stellen und die Wohnung gekündigt.
Dann, 3 Monate vor der Reise, hat die Erika an der Brust einen Schmerz empfunden, wenn die Katze draufgestanden ist. Die Katze hat das irgendwie gespürt und hat immer wieder den Punkt intensiv und mit Druck "getätschelt".
Erika ging somit nochmals zum Arzt, und es wurde ein Knoten in der Brust festgestellt. Dieser war aber noch sehr klein und es schien noch nicht notwendig, sofort zu operieren.
Die Operation wurde drei Wochen später gemacht - keine Amputation der Brust, weil es ein kompakter Knoten war, der herausgeschnitten werden konnte. Lymphknoten waren jedoch schon befallen, und es war ein sehr aggressiver Krebs.
Nach der Operation in Zürich gingen wir in die Ferienwohnung im Wallis, weil wir ja die Wohnung gekündigt hatten. Ein Jahr blieben wir im Wallis, und Erika hatte dort ihre Chemotherapie und Bestrahlungen.
Ich denke, es ist ja bekannt, wie das abläuft. Nach der Chemo ist die Erika ein bis zwei Tage zu Hause geblieben und viel gelegen. Danach konnte sie aber wieder skifahren. Zwischen den Pausen (Chemo, Bestrahlung) konnten wir auch Reisen mit dem Wohnmobil unternehmen. In dieser Zeit habe ich auch das Lied "Erika" geschrieben.
Nach einem Jahr war die Behandlung abgeschlossen, und es wurde uns gesagt, wir könnten die Reise jetzt antreten. So sind wir nach Zürich gefahren und haben die Flüge für die geplante Weltreise gebucht. Zurück im Wallis, fanden wir einen Express an der Türe. Wir haben dann die Ärztin in Sierre angerufen, und sie hat uns mitgeteilt, dass die Blutwerte nicht gut wären und Erika noch drei Wochen zum Leben habe.
Der Schock war noch fast grösser, als damals bei der Nachricht, dass Erika Brustkrebs hat.
Wir sind wieder nach Zürich zum Arzt Dr. Reich gefahren. Er hat uns geraten, die Reise trotzdem zu machen. Uebrigens war das schon am Anfang sein Tipp, aber wir wollten es nicht wahrhaben, die Erika wollte einfach alles versuchen. Der Arzt hat uns ein Schreiben und Tramaltropfen mitgegeben und uns gesagt, dass wir erst von unserer Weltreise zurückkommen sollten, wenn die Beschwerden zu stark werden.
Das haben wir dann auch so gemacht und haben uns gesagt: jedes Land, das wir noch bereisen können, ist eine Zugabe. In der Südsee (Fiji und Cook Island) wurde uns dann klar, dass wir jetzt zurückfahren müssen. Das war am 9. April 1992.
Wir gingen nach der Ankunft in Raratonga (Cook Island) sofort ins Spital. Dort war ein deutscher Arzt, der uns riet, die Reise zu beenden.
Wir haben dann unsere Tochter Claudia angerufen, die eine neue Saisonstelle in Santo Domingo angetreten hatte, ob wir sie in Los Angeles noch treffen könnten. Auch wenn die Erika gerne noch gesehen hätte, wo unsere Tochter arbeitet, wollten wir die Strapazen nicht mehr auf uns nehmen, um sie in der Dominikanischen Republik zu besuchen.
Wir haben dann noch einige Tage mit der Claudia in Los Angeles verbracht und sind am 20. April 1992 zurückgeflogen. Am 14. Mai 1992 verstarb Erika in der Ami-Klinik in Zürich (Lebermetastasen).
Erika hat ein Tagebuch auf Tonband gesprochen, und teilweise habe ich dann noch einen Nachtrag gemacht. Oder, wenn es der Erika schlecht ging, den Tag selber besprochen.
Ich denke, der Reisebericht zeigt auf, dass man das Leben trotzdem noch geniessen kann. Das war auch meine Motivation, dieses Tagebuch zu veröffentlichen, um aufzuzeigen, was noch alles möglich ist, auch wenn der Krebs unheilbar geworden ist.
Der letzte Tagesbericht am 20.4.1992, drei Wochen vor Erika's Tod, zeigt auf, dass die Erika bis zum Schluss ihren Witz nicht verloren hat.
Jetzt, nach 18 Jahren, ist es mir ein Bedürfnis, diese Erlebnisse weiterzugeben. Sie sollen den Betroffenen Mut machen und aufzeigen, wie auch in einer solch schwierigen Situation das Leben sehr lebenswert sein kann.
Am 7. Juli 1999, zu meinem 50. Geburtstag, hat mir meine Tochter Pascale ein gebundenes Buch mit Bildern geschenkt. Sie hat unsere Mundart-Tonbandaufzeichnungen in einen Buchtext übertragen, eine riesige Arbeit. Für die Pascale aber sicher auch eine Form, um den frühen Tod ihrer Mutter zu verarbeiten. Mehr...
Ich hoffe, ich kann mit meinem Bericht Mut machen, auch bei bereits fortgeschrittenem Krebs Schönes zu geniessen.
Willi |
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