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<  Vorträge von Ärzten für Ärzte  ~  PD Dr. med. E. Wight: Fertilitätserhaltung bei Mammakarzinom
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BeitragVerfasst am: 25.05.2009 06:13  Antworten mit Zitat
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Anmeldungsdatum: 23.11.2005
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Wohnort: Neerach, Region Zürich

Vortrag anlässlich Senologie-Update vom 7. Mai 2009 in Zürich:


Fertilitätserhaltung bei Mammakarzinom
PD Dr. med. Edward Wight, Basel

Das Risiko, an einem Mammakarzinom zu erkranken, steigt mit dem Alter steil an. 15 % aller Mammakarzinome treten allerdings bei Frauen unter 40 Jahren auf. Obwohl junge Frauen (unter 35 Jahren) nach Mammakarzinom ein erhöhtes Rezidivrisiko und eine höhere Wahrscheinlichkeit haben, daran zu sterben als ältere, ist auch in dieser Altersgruppe in den letzten Jahrzehnten das Überleben nach Mammakarzinom angestiegen. Der Umstand, dass immer mehr Frauen ihre Schwangerschaft ins höhere Lebensalter verschieben, führt zwangsläufig dazu, dass die Koinzidenz von Schwangerschaft und Mammakarzinom zunimmt.

Bei Frauen mit nicht abgeschlossener Familienplanung ergeben sich daraus folgende Fragestellungen:
1. Hat das Mammakarzinom einen direkten Einfluss auf die Fertilität der Frau?
2. Hat die Therapie des Mammakarzinoms bei der jungen Frau einen Einfluss auf die Eierstockfunktion?
3. Gibt es diesbezüglich protektive und therapeutische Massnahmen?
4. Welche Auswirkungen hat die Mammakarzinomtherapie auf eine folgende Schwangerschaft?
5. Gibt es einen Einfluss einer Schwangerschaft nach Mammakarzinom auf die Prognose? Ein direkter Einfluss des Mammakarzinoms auf die Fertilität ist gegeben bei Befall der Ovarien im Rahmen einer metastasierenden Erkrankung, was bei jüngeren Frauen häufiger vorkommt als nach der Menopause.

Von grundlegender Bedeutung ist der Einfluss der Chemotherapie auf die Ovarialfunktion. Dies in Abhängigkeit des verwendeten Medikaments (alkylierende Substanzen haben die gravierendste Wirkung), der Dosis und des Alters der Patientin. Eine Faustregel besagt, dass eine Chemotherapie die Alterung des Ovars (Reduktion der "ovariellen Reserve") derart beeinflusst, dass jeder Monat unter Chemotherapie die reproduktive Phase im Leben einer Frau um etwa 1.5 Jahre verkürzt.
Die Folgen sind ein vorzeitiger Ausfall der Ovarialfunktion, verbunden mit dem Verlust der Fertilität, dem Auftreten eines vorzeitigen klimakterischen Syndroms sowie einer Osteoporose. Die ovarielle Reserve kann durch Bestimmung von Inhibin B, Anti-Mullerian Hormone, E2 und FSH abgeschätzt werden.

Eine Therapie der Chemotherapie-induzierten Ovarialinsuffizienz ist nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich. Jedoch bieten sich prophylaktische Massnahmen an, wobei etablierte (IVF, Kryokonservierung von Zygoten vor einer Chemotherapie) von experimentellen (z.B. Kryokonservierung von Ovarialgewebe und Reimplantation) Vorgehensweisen unterschieden werden.

Eine medikamentöse Ovarprotektion durch GnRH-Analoga während der Chemotherapie ist nicht etabliert und birgt zumindest theoretisch die Gefahr eines therapeutischen Antagonismus. Der Einfluss einer Hormontherapie des Mammakarzinoms auf die Fertilität ist vom Wirkungsmechanismus der verwendeten Präparate (Tamoxifen und Aromatasehemmer ohne gleichzeitige Gabe GnRH-Analoga stimulieren die Ovarialfunktion; GnRH-Analoga blockieren die Ovarialfunktion nach einem initialen "flare up") abhängig. Im Gegensatz zur Chemotherapie treten die hormonbedingten Einflüsse auf die Ovarialfunktion aber nur während der Therapie auf und sind reversibel.

Eine Schwangerschaft nach der primären Therapie eines Mammakarzinoms ist nicht mit einem nachteiligen Outcome für Mutter und Kind verbunden, insbesondere beeinflusst sie das Überleben der Frau nicht nachteilig, wobei ein so genannter "healthy mother effect", d.h. eine "selection bias", nicht ausgeschlossen werden kann.


Der ganze Vortrag in 19 Bildern ist unter "Ärzteinformation" eingefügt.


PD Dr. med. Edward Wight
Universitätsfrauenklinik
4031 Basel
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