Ein Brustkrebs und sein Verlauf

 

My Breast Cancer and its History

 

Brustkrebs: Persönliches

Interviewtext aus "saldo" / Gesundheit

vom 22. Januar 2014:

Erika Rusterholz: Der Krebs hat ihr Leben verändert –

auch im Positiven

 

 

 

An Krebs zu erkranken, ist ein Schock.

Doch eine neue Studie zeigt: Viele Betroffene wachsen an dieser Erfahrung.

Zwei Frauen mit Brustkrebs berichten.

 

«Wenn ich jetzt nichts ändere, fange ich an zu spinnen»

 

Fast jeden Morgen stellt Erika Rusterholz um fünf ihren Computer an. Die 78-Jährige aus Neerach im Zürcher Unterland schreibt in Brustkrebsforen, beantwortet Fragen von Ratsuchenden und aktualisiert ihre Website brustkrebsverlauf.info. Immer wieder setzt sie sich tagsüber an den Computer. Erst nach 10 Uhr nachts stellt sie ihn wieder ab: Der Brustkrebs hat ihr eine neue Lebensaufgabe gegeben.

 

Vor zehn Jahren bekam sie den Krebs. Die Diagnose habe sie noch recht gefasst weggesteckt, erzählt die ehemalige Buchhalterin und Reiseleiterin. Die Ärzte mussten ihr einen grossen Teil beider Brüste wegoperieren. «Auch das habe ich stoisch über mich ergehen lassen.»

Erst nach der Operation sei sie «ins tiefste Loch» gefallen: Sie, die sich ein Leben lang Mühe gegeben hatte, gut auszusehen, empfand sich nun als verunstaltet. «Ich konnte nichts anderes mehr denken als: Der Arzt hat mir viel zu viel rausgeschnitten.»

 

Krebs ist eine brutale Erfahrung. Von einem Moment zum anderen ist der Entwurf fürs eigene Leben in Frage gestellt. Erika Rusterholz sagt: «Ich hatte Angst vor dem Tod.»

 

Doch eine neue Studie an 700 Brustkrebs-Patientinnen zeigt: Viele wachsen auch an der Erfahrung. Die Forscher der amerikanischen Wake-Forest-Universität befragten die Frauen in den zwei Jahren nach der Diagnose mehrmals. Es zeigte sich: Je mehr Zeit verstrich, desto positiver fielen die Antworten der Patientinnen aus. Viele stellten etwa fest, dass sie stärker waren als gedacht, sie entwickelten neue Interessen, oder sie schätzten das Leben mehr als vor der Krankheit.

 

Rusterholz begann, sich intensiv über ihre Krankheit zu informieren

 

Das bestätigt Christine Szinnai, Oberärztin für Psychosomatik an der Klinik Schützen in Rheinfelden AG. Krebs könne auch dazu führen, dass sich die Lebensperspektive verändere: «Oft gelingt es den Betroffenen besser, die eigenen Werte und Ziele zu erkennen.»

 

Erika Rusterholz erinnert sich noch genau an den Moment, als sie aus der Krise herausfand. «Plötzlich merkte ich: Wenn ich jetzt nichts ändere, fange ich an zu spinnen.» Da begann sie, sich intensiv über ihre Krankheit zu informieren.

Die zündende Idee kam von ihrem Mann: Er ermunterte sie, eine eigene Homepage zu machen.

 

Heute ist ihr Leben ein anderes als vor der Krankheit. Als wäre sie zwanzig Jahre jünger, besucht sie Fachvorträge, informiert sich über die neuesten Therapien, hat einen Internetverein* gegründet mit dem Zweck, Frauen mit Brustkrebs zu beraten. «Ich habe so viel zu tun, da vernachlässige ich oft den Haushalt», lacht die zierliche Frau. «Das wäre mir früher nie passiert.» Seit sie Brustimplantate trägt, gefällt ihr auch ihr Köper wieder.

 

 

Corinne Urech ist Psycho-Onkologin am Tumorzentrum des Universitätsspitals Basel. Ein solches persönliches Wachstum sei keine Seltenheit bei Krebspatienten, sagt sie. Manche merkten schon ein paar Wochen nach der Diagnose, dass diese Krankheit auch positive Seiten habe –

 

zum ganzen Artikel:

Text: Christian Egg

Bild:  Peter Würmli

 

Erika Rusterholz Januar 2014 im Neeracherried

 

Quelle:

Konsumentenmagazin saldo - Rubrik "Gesundheit"

Postfach 8024 Zürich - www.saldo.ch

 

TIPPS

 

Mit Krebs umgehen: Das hilft

 

Krebs betrifft nicht nur den Körper, sondern auch die Seele. Diese Strategien können helfen, die Krankheit mental zu bewältigen:

Informieren Sie sich beim Arzt über den Krebs. Das baut Ängste ab.

Machen Sie sich bewusst, dass das Leben hier und jetzt lebenswert ist, trotz der Krankheit.

Zukunft und Vergangenheit sind dabei unwichtig. Meditation kann dabei helfen.

Grübeln Sie nicht, ob Sie oder Ihr Umfeld am Krebs schuld sind. Darauf gibt es keine Antwort.

Bitten Sie Familie, Freunde und Nachbarn um praktische Hilfe – etwa beim Kochen, Einkaufen oder Kinderhüten.

Machen Sie eine Liste mit kleinen Freuden. Bauen Sie diese immer wieder in Ihren Tag ein.

Erinnern Sie sich an schwierige Situationen, die Sie erfolgreich gemeistert haben. Das gibt Kraft.

Tauschen Sie sich mit anderen Betroffenen aus. Kontakte vermittelt die Stiftung Selbsthilfe Schweiz,

www.selbsthilfeschweiz.ch, Tel. 061 333 86 01

Nehmen Sie wenn nötig die Hilfe eines Psychologen oder eines Seelsorgers in Anspruch.

 


* der Internet-Verein:

Logo "Brustkrebs-Wissen hilft weiter"

www.wissen-hilft-weiter.info

Erika Rusterholz