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Begonnen hat das Ganze mit ihrer eigenen Erkrankung. Verunsichert, unzufrieden mit der Art, wie sie informiert worden ist, hat sie vor fünf Jahren begonnen, Informationen über ihre Krankheit im Internet zu suchen. Sie war überrascht, wie viel zu finden war. Inzwischen hat sich Erika Rusterholz ein enormes Wissen auf diesem Gebiet erworben. Ihr Anliegen sei es, andere Frauen darauf aufmerksam zu machen, was sie tun können und welche Fehler sie vermeiden sollen, sagt Erika Rusterholz. Sie habe sich selber aus Unwissenheit falsch verhalten und sei sich allein gelassen vorgekommen. Frauen seien nach dem Befund «Brustkrebs» häufig verunsichert und ratlos. Dazu komme Todesangst, aber auch Angst vor der Verunstaltung. «Die Frauen sollen wissen, was auf sie zukommt. Wer informiert ist, kann die Diagnose besser verarbeiten», meint Erika Rusterholz.
Deshalb hat sie gelernt, mit dem Computer umzugehen. Mit Hilfe ihres Ehemannes hat sie ihre Website konzipiert: www.brustkrebsverlauf.info. Dafür verwendet sie den Namo WebEditor, eine Software, die relativ einfach zu handhaben sei. Der Internet-Auftritt von Erika Rusterholz ist sehr informativ, übersichtlich aufgebaut und vielfältig verlinkt. Auf dem Merkblatt zum Thema Brustkrebs, das das Schweizer Fernsehen zur «Gesundheits-Sprechstunde» vom 9. Oktober 2005 herausgegeben hat, ist die Website von Erika Rusterholz schon mit dem Vermerk «informative und fachlich hochstehende Website einer Betroffenen» aufgeführt.
Erika Rusterholz beschreibt ihre eigenen Erfahrungen. Von der Vorgeschichte ihrer Erkrankung über die verschiedenen Behandlungs-Schritte bis zur Nachsorge hat sie alles genau dokumentiert, mitsamt Bildern und den medizinischen Befunden. Was ihre Website aber auszeichnet, sind die vielen weiterführenden medizinischen Erläuterungen, die Beschreibungen der Behandlungsmethoden, Presseberichte, Informationen von Brustzentren, Erklärungen der Fachbegriffe, Bilder und Animationen, die aufgerufen werden können. Obendrein gibt es eine Frage-Antwort-Seite mit Erläuterungen zu bestimmten Begriffen. Viele der Informationen hat Erika Rusterholz aus
dem Internet zusammengetragen. Medizinische Unterstützung erhält die engagierte Frau von den beiden Ärzten, die sie behandelt haben, PD Dr. Christoph Rageth und PD Dr. Mathias Fehr. Das gibt den Benutzerinnen der Website die Gewähr für die Richtigkeit der Informationen.
Erika Rusterholz wird mittlerweile auch zu Fachvorträgen für Mediziner, etwa an Kongressen, eingeladen. Sie betrachtet es als ihre Aufgabe, aus den für Laien meist schwer verständlichen Ausführungen diejenigen Informationen, die für Patientinnen wichtig sein könnten, herauszufiltern und in allgemein verständlicher Sprache zusammenzufassen. Ihre Texte lässt sie jeweils von den Referenten auf ihre Richtigkeit hin überprüfen, bevor sie sie ins Internet stellt.
An ihrem 70. Geburtstag, am 3. Dezember 2005, hat Erika Rusterholz ein eigenes Forum zum Thema Brustkrebs gegründet, ein Platz im Internet also zum Austauschen von Gedanken und Erfahrungen. Es wird rege benutzt, obwohl es einige sehr grosse Brustkrebsforen gibt: das deutsche Krebs-Forum www.krebs-kompass.org, das deutsche Medizin-Forum www.medizin-forum.de und seit gut drei Jahren dasjenige der Krebsliga Schweiz, www.krebsforum.ch. Erika Rusterholz beantwortet in diesen Foren jede Frage, zu der sie etwas aus eigener Erfahrung beitragen kann. Ihre Motivation ist die Betroffenheit. Sie weiss, wie es Frauen nach der Diagnose «Brustkrebs» zumute ist, und möchte ihnen helfen und Mut machen. Dass sie damit einem Bedürfnis entspricht, zeigt die Benutzer–Statistik: Im Jahr 2007 haben 45'000 Besucher ihre Website aufgerufen, im Jahr 2008 werden es rund 60'000 sein.
Auf ihrer Homepage verweist Erika Rusterholz auf die existierenden Brustzentren in der Schweiz und in den Nachbarländern. Besonders wichtig schien ihr, ausführlich zu erklären, was ein gutes Brustzentrum anbieten sollte. So hat sie anfangs 2008 ihre eigenen Informationen mit Ergänzungen aus dem Internet in einem «virtuellen Brustzentrum» zusammengestellt. Ihre Darstellungen finden Anklang, nicht nur bei Patientinnen: Das Brustzentrum Thurgau hat einen grossen Teil dieser Texte von Erika Rusterholz auf seine neue Homepage übernommen.
Dass Erika Rusterholz etwas Nützliches macht, das offensichtlich einem Bedürfnis entspricht, hat sie nach ihrer Krankheit wieder aufblühen lassen. Heute geht es ihr körperlich und seelisch ausgezeichnet, auch wenn sie stets mit der Möglichkeit rechnen muss, dass sich ein Rückfall ereignen könnte. Sie fühle sich wieder wie fünfzig, sagt sie.
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