Ein Brustkrebs und sein Verlauf

 

My Breast Cancer and its History

 

Brustkrebs: Persönliches

"Neujahrsblatt der Gemeinde Neerach 2009"

2. Januar 2009:

Erika Rusterholz und ihr Hobby "Website"

von Frau Annemarie Geissler

     

 

Wenn von Hobbys die Rede ist, stellt man sich gewöhnlich vor, dass jemand irgend etwas Schönes herstellt, ein Handwerk betreibt oder sich sportlich oder musisch betätigt. Dass man mit Leib und Seele einer Tätigkeit nachgeht, durch die man sich vom Alltag erholen kann und die einem selbst viel Freude bereitet.

Dass auch das Sammeln und Weitergeben von Informationen über eine Krankheit zu einem Hobby werden kann, das nicht nur für andere nützlich ist, sondern auch eigene Freude und Genugtuung bedeutet, erfahren wir von Erika Rusterholz.

Erika Rusterholz

 

 

Hätte ihr jemand vor fünf Jahren prophezeit, dass sie einmal ihre Tage am Computer verbringen würde, hätte sie lachend geanwortet: «Ganz gewiss nicht, das lerne ich nicht mehr. Lieber pflege ich meinen Mittelmeer-Garten, das ist mein Hobby.»

 

 

Dann hat sie das Schicksal eingeholt. Heute setzt sich die zierliche Frau morgens schon um sechs vor den Computer – um halb sechs schaltet sich das Internet automatisch ein. Erika Rusterholz betreibt eine Website und ein Forum zum Thema Brustkrebs. Damit will sie betroffene Frauen umfassend informieren und beraten. Noch vor dem Frühstückskaffee schaut Erika Rusterholz nach, ob neue Beiträge oder Anfragen eingegangen sind. Diese wird sie im Laufe des Tages beantworten. Zuvor aber setzt sie zuerst einmal ein Puzzle zusammen, auch on-line, am Bildschirm. «Das gibt einen sanften Einstieg in den Tag und schult erst noch das Auge», sagt sie. Sie nennt sich selber «schon fast internetsüchtig». Jedenfalls ist sie mittlerweile eine routinierte Computeranwenderin und von den unbegrenzten Möglichkeiten des Internet fasziniert.

Pairola: Aloe mit Aussicht auf das Mittelmeer an der ital. Riviera

 

 

Begonnen hat das Ganze mit ihrer eigenen Erkrankung. Verunsichert, unzufrieden mit der Art, wie sie informiert worden ist, hat sie vor fünf Jahren begonnen, Informationen über ihre Krankheit im Internet zu suchen. Sie war überrascht, wie viel zu finden war. Inzwischen hat sich Erika Rusterholz ein enormes Wissen auf diesem Gebiet erworben. Ihr Anliegen sei es, andere Frauen darauf aufmerksam zu machen, was sie tun können und welche Fehler sie vermeiden sollen, sagt Erika Rusterholz. Sie habe sich selber aus Unwissenheit falsch verhalten und sei sich allein gelassen vorgekommen. Frauen seien nach dem Befund «Brustkrebs» häufig verunsichert und ratlos. Dazu komme Todesangst, aber auch Angst vor der Verunstaltung. «Die Frauen sollen wissen, was auf sie zukommt. Wer informiert ist, kann die Diagnose besser verarbeiten», meint Erika Rusterholz.

Deshalb hat sie gelernt, mit dem Computer umzugehen. Mit Hilfe ihres Ehemannes hat sie ihre Website konzipiert: www.brustkrebsverlauf.info. Dafür verwendet sie den Namo WebEditor, eine Software, die relativ einfach zu handhaben sei. Der Internet-Auftritt von Erika Rusterholz ist sehr informativ, übersichtlich aufgebaut und vielfältig verlinkt. Auf dem Merkblatt zum Thema Brustkrebs, das das Schweizer Fernsehen zur «Gesundheits-Sprechstunde» vom 9. Oktober 2005 herausgegeben hat, ist die Website von Erika Rusterholz schon mit dem Vermerk «informative und fachlich hochstehende Website einer Betroffenen» aufgeführt.

 

Erika Rusterholz beschreibt ihre eigenen Erfahrungen. Von der Vorgeschichte ihrer Erkrankung über die verschiedenen Behandlungs-Schritte bis zur Nachsorge hat sie alles genau dokumentiert, mitsamt Bildern und den medizinischen Befunden. Was ihre Website aber auszeichnet, sind die vielen weiterführenden medizinischen Erläuterungen, die Beschreibungen der Behandlungsmethoden, Presseberichte, Informationen von Brustzentren, Erklärungen der Fachbegriffe, Bilder und Animationen, die aufgerufen werden können. Obendrein gibt es eine Frage-Antwort-Seite mit Erläuterungen zu bestimmten Begriffen. Viele der Informationen hat Erika Rusterholz aus

dem Internet zusammengetragen. Medizinische Unterstützung erhält die engagierte Frau von den beiden Ärzten, die sie behandelt haben, PD Dr. Christoph Rageth und PD Dr. Mathias Fehr. Das gibt den Benutzerinnen der Website die Gewähr für die Richtigkeit der Informationen.

Erika Rusterholz wird mittlerweile auch zu Fachvorträgen für Mediziner, etwa an Kongressen, eingeladen. Sie betrachtet es als ihre Aufgabe, aus den für Laien meist schwer verständlichen Ausführungen diejenigen Informationen, die für Patientinnen wichtig sein könnten, herauszufiltern und in allgemein verständlicher Sprache zusammenzufassen. Ihre Texte lässt sie jeweils von den Referenten auf ihre Richtigkeit hin überprüfen, bevor sie sie ins Internet stellt.

 

An ihrem 70. Geburtstag, am 3. Dezember 2005, hat Erika Rusterholz ein eigenes Forum zum Thema Brustkrebs gegründet, ein Platz im Internet also zum Austauschen von Gedanken und Erfahrungen. Es wird rege benutzt, obwohl es einige sehr grosse Brustkrebsforen gibt: das deutsche Krebs-Forum www.krebs-kompass.org, das deutsche Medizin-Forum www.medizin-forum.de und seit gut drei Jahren dasjenige der Krebsliga Schweiz, www.krebsforum.ch. Erika Rusterholz beantwortet in diesen Foren jede Frage, zu der sie etwas aus eigener Erfahrung beitragen kann. Ihre Motivation ist die Betroffenheit. Sie weiss, wie es Frauen nach der Diagnose «Brustkrebs» zumute ist, und möchte ihnen helfen und Mut machen. Dass sie damit einem Bedürfnis entspricht, zeigt die Benutzer–Statistik: Im Jahr 2007 haben 45'000 Besucher ihre Website aufgerufen, im Jahr 2008 werden es rund 60'000 sein.

 

Auf ihrer Homepage verweist Erika Rusterholz auf die existierenden Brustzentren in der Schweiz und in den Nachbarländern. Besonders wichtig schien ihr, ausführlich zu erklären, was ein gutes Brustzentrum anbieten sollte. So hat sie anfangs 2008 ihre eigenen Informationen mit Ergänzungen aus dem Internet in einem «virtuellen Brustzentrum» zusammengestellt. Ihre Darstellungen finden Anklang, nicht nur bei Patientinnen: Das Brustzentrum Thurgau hat einen grossen Teil dieser Texte von Erika Rusterholz auf seine neue Homepage übernommen.

 

Dass Erika Rusterholz etwas Nützliches macht, das offensichtlich einem Bedürfnis entspricht, hat sie nach ihrer Krankheit wieder aufblühen lassen. Heute geht es ihr körperlich und seelisch ausgezeichnet, auch wenn sie stets mit der Möglichkeit rechnen muss, dass sich ein Rückfall ereignen könnte. Sie fühle sich wieder wie fünfzig, sagt sie.

 

 

 

Besonders stolz ist sie darauf, dass sie letztes Jahr (2007) am Senologieforum der Schweizerischen Gesellschaft für Senologie (Brustkunde) in Laax einen Vortrag über Selbsthilfe halten und ihre Website vorstellen durfte. Den Text dieses Vortrags kann man auf ihrer Homepage nachlesen.

 

Mimosen in voller Blüte

Kirchturm von Pairola/San Bartolomeo al Mare
Laubfrosch an der ital. Riviera (Hyla meridionalis)
 

 

Orchideen im Garten an der ital. Riviera

 

 

 

Dort findet man unter der Rubrik «Persönliches» auch, dass sie sich wieder voller Begeisterung ihrem alten Hobby zuwendet: den Orchideen und Mittelmeerpflanzen, die sie sowohl in ihrem Garten in Neerach, als auch am neu erworbenen Sitz an der italienischen Riviera fachkundig und liebevoll hegt und pflegt.

 

 

 

Titelblatt des Neujahrsblatts der Gemeinde Neerach

Ausschnitt aus dem Deckblatt "NEUJAHRS-BLATT DER GEMEINDE NEERACH 2009"

Herausgeber: Verkehrs- und Verschönerungsverein Neerach VVN

 

 

Logo "Brustkrebs-Wissen hilft weiter"

www.wissen-hilft-weiter.info

© Erika Rusterholz