Ein Brustkrebs und sein Verlauf

 

My Breast Cancer and its History

 

Brustkrebs: Operation

Silikon-Brustimplantate

5 Jahre nach brusterhaltender Operation

und beidseitiger Bestrahlung

 

 

Die Leere im oberen Brustbereich und die am rechten Brustmuskel angewachsene Narbe störten mich immer mehr...

Ich habe mich deswegen die letzten Monate intensiv mit Silikon-Implantaten beschäftigt und bin darauf gestossen, dass diese doch etwas verpönt sind, speziell bei Frauen, die vor längerer Zeit einen Brustaufbau mit Implantaten machen liessen. Kapselfibrose, kühles Gefühl mit Implantaten, Verrutschen derselben und anderes mehr waren aufgeführte Gründe in Brustkrebsforen.

Ich bin ein neugieriger Mensch und wollte wissen, ob Brustimplantate wirklich so schlecht sind. Also war ich auf der Suche nach einem Implantat, das die bekannten negativen Eigenschaften auf ein Minimum reduziert.

 

Wichtig sind also: das geeignete Fabrikat und speziell der Implantat-Typ (Inhalt, Oberfläche, der Brust angepasste Grösse und Form) und natürlich der mit solchen Eingriffen bestens vertraute Arzt: ein Facharzt für plastische und rekonstruktive Chirurgie.

 

Der Zufall wollte es, dass ich im November 2008, am Tag der offenen Türe des Kantonsspitals Frauenfeld/CH, Herrn Dr. med. Volker Wedler begegnete (Facharzt für plastische-, rekonstruktive- und ästhetische Chirurgie im Brustzentrum Thurgau) - er schien mir der Richtige zu sein für mein Vorhaben.

 

Am Montag, 6. Juli 2009, war es dann soweit.

Eine Dokumentation über das Einsetzen der Implantate kann hier angesehen werden:

(16 kleinformatige Bilder mit kurzer Beschreibung: vor, während [nicht zu schockierend aussehend] und nach dem Eingriff - letztes Bild vom Juli 2013 zeigt die Brust nach vierjähriger Implantatszeit)

Gleichzeitig sollten die mit dem Brustmuskel verwachsenen Narben, herrührend von der Tumorentfernung am 30. Januar 2004, vom Muskel gelöst werden.

Operationsbericht: - Dauer der Operation: eine Stunde

Spitalaufenthalt: angenehm und sehr kurz - am übernächsten Morgen bereits verliess ich die Frauenklinik in Frauenfeld.

Schmerzen in der Brust: keine (wenig Schmerzmittel), jedoch zwei Tage lang starker Muskelkater im Oberkörper

Mehr zur Narbe auf der rechten Brust und die weiteren Lösungsversuche:

 

Bügel-Büstenhalter (schwarze Spitze mit leichter Polsterung, selber vom Chirurg ausgesucht!) für 4 Wochen und zusätzliche enge Bandage oberhalb des BH-Abschlusses während 2 Wochen sollen die Implantate an Ort, d.h. unter dem Brustmuskel, festhalten.

 

Die Arme dürfen während 4 Wochen nicht über die Achsel hinaus angehoben werden, mehr als 5 kg darf ich nicht tragen.

Auch sollte ich die Arme während der ersten Wochen möglichst schonend bewegen, um nicht zusätzliches Wundwasser anzuregen.

Diese Bedingungen kann ich allerdings nur schwer erfüllen. Die Kontrolle beim Arzt nach einer Woche wird zeigen, ob ich zu aktiv war...

 

Nach zwei Wochen: der Heilungsverlauf zeigt nichts Aussergewöhnliches - ab sofort muss ich täglich dreimal die Brust tiefgründig durchkneten, damit sie weich bleibt, und die Haut öfters mit fetthaltiger Crème einreiben, damit sie nicht steif wird.

 

4 Wochen nach dem Einsetzen der Implantate: die Brust sieht gut aus, ich knete sie weiterhin ziemlich unsanft mindestens zweimal täglich durch, ohne diese Prozedur würde sie sehr fest werden. Die Brust steht stramm, ein BH ist nun wirklich überflüssig geworden...

 

Nach acht Wochen ist die anfängliche Geschwulst, speziell der rechten Brust, verschwunden. Die Implantate unter dem Brustmuskel ergeben keinerlei Fremdkörpergefühl, ich könnte vergessen, dass das nicht alles meine eigene Brust ist.

Nur beim Gehen merke ich beim unteren Brustansatz etwas Straffes, als ob ich einen BH tragen würde. Dort wurde innerlich mit dem Brustmuskel eine Tasche geformt, damit die Implantate nicht nach unten abrutschen können. Dies macht den Eindruck, als ob die Brust von unten her gestützt werde. Die Haut hier war bis vor kurzem etwas hart gewesen, anfangs sogar gefühllos. Nachdem ich nun aber täglich einmal Mandelölsalbe einreibe, ist auch dieses Problem gelöst und die Haut geschmeidig.

Ich knete also weiterhin zweimal täglich die ganze Brust durch und verwende dabei eine Körpercreme. Auf die alten langen Narben von der Brustoperation her und die neuen bei der "ehemaligen" Brustfalte streiche ich zusätzlich das Narbenspezifikum Keli-med ein, vielleicht hilft dies, die Narben noch etwas zu vermindern.

 

Nach drei Monaten: alles bestens - nichts zieht, spannt oder sticht mehr. Das anfängliche Gefühl der Einengung ist ebenfalls nicht mehr vorhanden. Das Durchkneten werde ich jetzt etwas reduzieren können, denn die Brust ist nun beidseits weicher und fühlt sich sehr gut an.

Sie ist zwar nicht ganz symmetrisch, war es aber auch vorher, nach der Tumoroperation im Januar 2004, nicht mehr. Damals mussten beide Mamillen samt Warzenhof versetzt werden, da sie sonst unschön nach unten gezeigt hätten. Seither hatte sich jedoch das Brustgewebe verändert, das wenige der linken Brust war jetzt tiefer gelegen. Zwar konnte beim Einsetzen der Implantate recht gut korrigiert werden - ein späteres Höherstellen der linken Mamille sollte die Optik jedoch sehr verbessern können.

 

Es dauere etwa 3/4 Jahre, bis die "neue" Brust die endgültige Form angenommen habe.

Ich kann mir aber nach einem halben Jahr seit dem Einsetzen der Implantate eigentlich nicht vorstellen, dass sich die Brust noch weiter verändern wird. Sie sieht gut aus und ist auch wieder recht weich geworden. Die Implantate können nicht einmal erahnt werden, so gut sind sie unter dem Brustmuskel versteckt.

An den optischen Anblick mit Cup B (in jüngeren Jahren war's nur ein A) habe ich mich nun doch schon gewöhnt - die Kleider passen besser, ich fühle mich gut!

 

21. Dezember 2009: Anpassung der tiefer sitzenden linken Mamille.

Versetzen des linken Warzenhofs nach oben: dieser wird rundum von der Haut getrennt, die Haut entsprechend ausgeschnitten und wieder an den Warzenhof angenäht.

Gleichzeitig wird die alte Narbe auf der rechten Brust geöffnet, da diese wieder mit dem Brustmuskel verbunden ist.

Beschreibung der ambulant und unter Lokalanästhesie durchgeführten Klein-OP:

 

August 2010: Das erste Jahr mit Silikon-Implantaten ist bereits hinter mir. Die Implantate sitzen immer noch fest an Ort, die Ränder sind weder tast-, noch sichtbar. Es ist keine Verkapselung an den Rändern aufgetreten.

Die Brust ist nun überall weich, es besteht weder ein Spannungs-, noch ein Fremdkörpergefühl. Auch kann ich die Arme normal bewegen und anstrengende Tätigkeiten verrichten: nichts behindert mich.

Am unteren Rand beider Brüste deutet auch nichts darauf hin / ist nicht ersichtlich,

- dass hier mal der Brustmuskel durchtrennt worden ist, um das Implantat unter diesem nach oben zu schieben,

- dass hier eine innere Tasche geformt worden ist, um das Implantat am Abrutschen zu hindern,

- dass sich hier eigentlich je eine Narbe von einigen Zentimetern Länge befindet, so schön sind diese verdeckt vernäht worden.

Die Brust fühlt sich gut an, sieht schön aus - ich bin also sehr glücklich damit - und hoffe, dies noch lange sein zu können.

 

Januar 2011: Ich habe auch während der vergangenen Monate täglich die Brust mit der Hand immer wieder zusammengedrückt, also auch den Muskel und das darunter liegende Implantat eingeschlossen. Ohne das Massieren/Kneten wäre die Brust hart geworden, da bin ich sicher.

Die ersten paar Monate hatte ich die Brust täglich eingefettet, denn die Haut fühlte sich steif an. Jetzt reibe ich nur noch 2 - 3mal pro Woche die Haut mit einem Hautpflegeöl ein, sie ist sehr geschmeidig geworden.

 

Oktober 2011: Bereits über zwei Jahre erfreuen mich die Silikon-Implantate. Während der vergangenen Wochen war mir jedoch aufgefallen, dass die rechte Brust am "Abwandern" war vom Brustbein nach aussen, die Mamille zeigte schon ziemlich seitwärts. Die rechte Brust war auch recht fest geworden, hat nun etwas gespannt. Ich schlief allerdings bis anhin fast ausnahmslos auf der rechten Seite.

Es hat sich jetzt herausgestellt, dass die Haut am oberen Rand der Implantatkapsel angewachsen war. Ebenfalls war die Haut seitlich der rechten Brust verklebt; beides ist nun in einer ambulanten Operation von der Achsel her gelöst worden.

Jetzt habe ich meine Schlafgewohnheit geändert, liege nun links. Erfreulich ist: das Implantat unter dem rechten Brustmuskel ist nach kurzer Zeit wieder zur Ursprungsposition zurückgekehrt. Auch ist das Spannungsgefühl wieder weg. Ich bewege nun 1 - 2mal täglich die Haut, damit sie sich nicht mehr mit anderem Gewebe verbinden kann.

 

Es scheint, dass die Verkapselung um das Implantat so minim ist, dass dieses leicht verrutschen kann. Damit beim neuen "Links-Schlafen" das linke Implantat nun nicht nach der Seite wandert, drücke ich die Brust beim täglichen Massieren zur Mitte hin.

 

Juli 2013: Die beiden Implantate sitzen immer noch am richtigen Ort und machen weiterhin keinen Kummer.

 

Juli 2014: Leider hält sich die Narbe auf der rechten Brust immer wieder am darunterliegenden Muskelgewebe fest. Jetzt ist oberhalb der Narbe zum Implantatrand hin ein fester Wulst fühl- und auch leicht sichtbar. Ob Haut und Silikon ebenfalls aneinander kleben?

Die nächste Nachsorge im Oktober wird wohl mehr dazu ergeben.

Ich bin immer noch sehr zufrieden mit meiner "neuen" Brust. Den damaligen Entscheid, Silikon-Implantate einsetzen zu lassen, habe ich bis anhin nie bereut.

 

Juli 2015: In der Zwischenzeit habe ich wieder einmal die Narbe auf der rechten Brust herausschneiden und vom Brustmuskel lösen lassen, sie spannte doch sehr. Der neu hinzugezogene Facharzt für Plastische Chirurgie hat nun ein Netz (Tigr Mesh) als Zwischenschicht eingelegt und die Hautränder neu vernäht, was jetzt doch sehr viel besser aussieht. Die Naht ist zwar noch gut sichtbar, wird aber sicher noch etwas verblassen. Und sie ist nicht mehr eingezogen.

 

Juli 2016: Ich bin immer noch begeistert von den Implantaten, ich fühle mich sehr gut damit. Nichts spannt, und die Brust sieht heute sogar natürlicher aus als vor sieben Jahren...

Die jährliche Mammographie ist bei den modernen Geräten auch möglich, d.h. das Gerät muss entsprechend eingestellt werden, damit die Implantate nicht zu sehr gedrückt werden.

 

 

Welche Brustimplantate bei mir verwendet worden sind:

Silikongel-Implantate Microthane® / MicroPolyurethanSchaum (MPS) beschichtet (Fabrikat Polytech)

 

Micropolyurethanschaum ist ein Schaumstoff, der auf die Oberfläche eines silikongelgefüllten Implantats aufvulkanisiert wird. Die Dicke dieses Schaums beträgt ca. 2 mm.

In den Schaum kann Gewebe aktiv einwachsen, wodurch die lineare, ansonsten zur Kugelbildung führende Orientierung der Fasern der Bindegewebskapsel gestört wird. Auf diese Weise wird nicht das Implantat als Ganzes umschlossen, sondern die Struktur des Schaums.

 

Das Ziel ist, eine Kapselfibrose zu verhindern, damit die Brust ihre Form behalten und weich und elastisch bleiben kann. Das Gewebe im Microthane®-Schaum ist gut durchblutet und weicher als die harte, schlecht durchblutete Kapsel um ein glattwandiges Implantat.

(Bei Implantaten mit glatten oder texturierten Oberflächen kommt es in 9 – 50 % der Fälle zu Kapselkontrakturen, bei Implantaten mit Microthane®-Beschichtung hingegen reduzieren sich die Kapselkontrakturraten auf 0 – 3 %.)

 

 

Die Basis dieser Brustimplantate mit Microthane® ist rund, tränenförmig, mit höchstem Punkt im unteren Drittel der runden Basis.

Die Konsistenz ist ähnlich einer Brust, das Gel ist schnittfest und hat einen Memory-Effekt, d.h. es kehrt nach einem Schlag in die ursprüngliche Form zurück.

Es sind vier Profile verfügbar: niedrig (MLP), mittel (MMP), hoch (MHP) und extrahoch (MXP) mit verschiedenen Kurvenmassen, angepasst an die Brustgrösse.

 

Bei mir wurden Implantate, je 190 gr schwer, mit "hohem Profil" eingesetzt. Solche mit weniger hohem Profil waren zwar ursprünglich vorgesehen, aber der nach oben auslaufende Teil war dann auch kleiner und füllte die Delle oberhalb des Warzenhofs nicht aus (es wurde bei der damaligen Operation sehr viel Brustgewebe bis auf den Brustmuskel entfernt).

Der höchste Punkt kam unter den Brustmuskel im Bereich der Mamille zu liegen.

Ansicht von oben und von der Seite:

Polytech Replicon® = mit Silikongel gefüllte Implantate,

mit runder Basis und tropfenförmiger Projektion, micropolyurethanschaum-beschichtet (MPS)

(fühlt sich an wie ein Fleece-Pullover, weich und warm)

mehr über MPS (Microthane®): (pdf-Datei)

 

 

Zur Beachtung:

Laut Facharzt für Plastische Chirurgie kann nach einer Brustrekonstruktion mit Silikon oder Eigengewebe eine Strahlentherapie und/oder Chemotherapie erfolgen.

 

Bei einer Mastektomie kann gleichzeitig ein Silikon-Implantat eingesetzt werden, wenn nur eine kleine Brust vorgesehen ist. Monate später könnte dieses gegen ein grösseres Implantat ausgetauscht werden, falls nötig.

Die Haut ohne Brustgewebe erträgt in dem Moment noch keine starke Dehnung. Für eine grössere Brust müsste also zuerst ein Expander eingesetzt werden, um die Haut sorgfältig an das Volumen zu gewöhnen - das Implantat folgt dann später.

 

Falls bei einem Brustaufbau genügend Eigengewebe vorhanden ist: Uebersicht über die verschiedenen Aufbaumethoden

 

Brustimplantate in der Presse:

 

Pressemitteilung am 12. Oktober 2009:

"Brustwiederaufbau nach Brustkrebs: Implantat-Oberfläche spielt entscheidende Rolle für Verträglichkeit":

Pressemitteilung am 13. Dezember 2012 von Polytech Health & Aesthetics GmbH:

"Jedes fünfte Brustimplantat muss in den ersten 10 Jahren ausgetauscht werden -

Spezielle Implantat-Beschichtung reduziert Risiken der ästhetischen Brustvergrößerung maßgeblich"

Interview in "sprechstunde doktor stutz", Ausgabe vom Dez. 2009, mit Dr. Volker Wedler über Silikon-Implantate:

DER FALL in "Schweizer Illustrierte", Ausgabe vom 26. April 2010: Dr. Volker Wedler über Brust-OP bei 14-Jährigen:

 

POLYTECH Health & Aesthetics, D-64807 Dieburg: genauere Beschreibung der Implantattypen und weiteres mehr

 

Bilder der Implantate:

Dr. med. Matthias Föhn

ich freue mich auf Ihren

© Erika Rusterholz