Ein Brustkrebs und sein Verlauf

 

My Breast Cancer and its History

 

Brustkrebs: Therapie

Statement "Chemotherapie"

Welche Frauen brauchen eine Chemotherapie?

Brustkrebs ist nicht eine einfache Krankheit, sondern besteht aus vielen biologisch verschiedenen Untergruppen.

 

Ein wichtiges Merkmal für die Frage, ob eine Chemotherapie angezeigt ist oder nicht, kommt von den Untersuchungsresultaten des Tumormaterials im Labor. Dort wird festgestellt, ob die Brustkrebserkrankung grösstenteils, nur teilweise oder gar nicht von den Geschlechtshormonen Östrogen und Progesteron abhängig ist.

Eine weitere Untersuchung, nämlich, ob der Faktor HER2 überaktiv ist, trägt auch dazu bei, um zu entscheiden, ob eine Chemotherapie zur Behandlung der Krankheit angezeigt ist.

Das Rückfallrisiko spielt ebenfalls eine Rolle, um zu entscheiden, ob eine Chemotherapie angezeigt ist, weil es bei grösseren Tumoren offenbar einen genügend grossen Anteil von Krebszellen im Tumor gibt, die sich aggressiv verhalten, um eine Chemotherapie angezeigt erscheinen zu lassen.

 

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Frauen mit kleinen und mittelgrossen Tumoren, deren Laboruntersuchung eine klare Hormonabhängigkeit anzeigen, üblicherweise mit Antihormontherapie alleine behandelt werden.

Je grösser die Unsicherheit über die Hormonabhängigkeit des Tumorwachstums, umso eher wird eine zusätzliche Chemotherapie empfohlen.

Bei Frauen mit Tumoren, die keine oder nur eine geringfügige Chance haben, von einer Antihormontherapie zu profitieren, ist eine - bei erhöhtem Rückfallrisiko auch eine intensive - Chemotherapie angezeigt.

 

Die Frage, ob eine Chemotherapie, welche Chemotherapie und wie lange die Chemotherapie durchgeführt werden soll, muss bei jeder Patientin einzeln mit einem dafür ausgebildeten Spezialisten besprochen werden.

Basis für dieses Gespräch bilden die Tumoruntersuchungen, welche qualitätskontrolliert durchgeführt werden sollen, und die Empfehlungsrichtlinien von Brustkrebsexperten, um zu einer vernünftigen Behandlungsentscheidung zu kommen. Diese Empfehlungen kommen von Fachgesellschaften oder von internationalen Expertengremien. Die bekannteste und weltweit meist akzeptierte ist die St. Gallen Konsensus-Konferenz, welche die Richtlinien alle 1 - 2 Jahre an die neuesten Forschungsergebnisse anpasst.

 

Wenn eine Patientin oder deren Angehörige sich verunsichert fühlen, ist es ratsam, eine Zweitmeinung bei einem Experten einzuholen, um Klarheit für die nicht immer einfachen Entscheidungen in dieser schwierigen Situation zu schaffen.

 

siehe auch: "Ist eine Chemotherapie notwendig? warum?" mit Chemo-Behandlungsschemen

 

Prof. Dr. med. Beat Thürlimann, Chefarzt Brustzentrum

Kantonsspital St. Gallen, CH-9007 St. Gallen

www.brustzentrum-kssg.ch

14.05.2007 bt/p - letztes update 15.05.2008

 

 

© Erika Rusterholz