Ein Brustkrebs und sein Verlauf

 

My Breast Cancer and its History

 

Brustkrebs:

Interview in "sprechstunde doktor stutz" (2009)

 

Jeder Frau steht eine wohlproportionierte Brust zu -

Dr. Volker Wedler über beschichtete Implantate.

Brustimplantate erlebten vor ein paar Jahren einen regelrechten Boom. Dann machten die Silikonbusen Schlagzeilen.

 

Ja, es gab eine regelrechte Hysterie. Die amerikanische Arzneimittelbehörde verbannte vor fünfzehn Jahren mit Silikon gefüllte Implantate und ersetzte die Füllung durch Kochsalzlösungen – obwohl die Hüllen der Prothesen weiter aus Silikon hergestellt wurden. Wie auch viele andere Materialien in der Medizin, die in den Organismus implantiert werden. Überhaupt begegnet uns Silikon auf Schritt und Tritt. Auf Möbeln, Haushaltsprodukten und sogar Spielzeug. Silikon ist nirgendwo mehr wegzudenken.

 

Wie ging es weiter?

 

Silikon wurde zu einem der besterforschten Stoffe. Dabei zeigte sich, dass das Krebsrisiko durch Silikon in keiner Weise erhöht wird. Seit Kurzem sind deshalb auch in den USA wieder mit Silikon gefüllte Brustimplantate erlaubt. Sie sind heute schwer zu beschädigen und können gar wie Brot in Scheiben geschnitten werden, ohne auszulaufen.

 

Stehen Schweizer Frauen auf grosse Brüste?

 

Jeder Frau steht eine wohlproportionierte Brust zu. Sie ist ein sehr wichtiges Sexualorgan der Frau. Egal ob Schweizerin, Deutsche oder Brasilianerin. Der Leidensdruck jeder einzelnen Frau muss ernst genommen werden. Gleichgültig, ob die Brustform wegen einer angeborenen Missbildung, einer Krebserkrankung, Gewichtsschwankungen, einem Trauma oder aus rein persönlichen Gründen nicht ihren ästhetischen Vorstellungen entspricht. Frauen sind heute sehr gut über Operationsindikationen, Techniken usw. informiert und werden nicht vom Partner getrieben, sondern sind sehr selbstbewusst und haben sich diesen Schritt sehr gut überlegt.

 

Was müssen Frauen mit Brustkrebs über Brustrekonstruktion wissen?

 

Jede Rekonstruktion wird eingehend mit der Patientin diskutiert. Sowohl Technik, als auch Zeitpunkt werden besprochen. Die Gespräche werden von einem Plastischen und Rekonstruktiven Chirurgen geführt, der über eine grosse Erfahrung bei der Rekonstruktion sowohl mit Eigengewebe – längere Operationszeiten, dafür natürlichere Brustempfindung – als auch mit Fremdmaterial oder die Kombination von Eigen- und Fremdgewebe verfügt. Beide Optionen können zu Komplikationen führen, die klar und deutlich erklärt werden müssen. Es ist möglich, eine Brustrekonstruktion sowohl primär, das heisst in derselben Operation wie die Brustentfernung, als auch sekundär, also nach einer Bestrahlung oder Chemotherapie, durchzuführen. Die sofortige Rekonstruktion wird vor allem vom Tumortyp, der Amputationsangst, dem medizinischen Allgemeinzustand, dem Alter und der zu erwartenden Chemo- oder Bestrahlungstherapie abhängig gemacht.

 

Welche Technik eignet sich am besten?

 

Die Wahl der Technik ist abhängig von den Gewebeverhältnissen der erkrankten Brust, der gegenseitigen Brustform, der Defektausdehnung nach der Brustentfernung, den potentiellen Spenderarealen bei der Eigengeweberekonstruktion und der möglichen Strahlentherapie. Wenn sich eine Frau für die Rekonstruktion mit Fremdgewebe entscheidet, muss meistens mit einer Expansion des Gewebes begonnen werden.

 

Wie reagiert der Körper auf eine Silikonprothese?

 

Mögliche Komplikationen einer Silikonprothese sowohl bei der Brustvergrösserung, als auch nach einer Rekonstruktion sind Kapselfibrose, Verdrehen und Verschieben. Die Kapselbildung um eine Prothese ist normal, weil das Immunsystem die Prothese als Fremdkörper erkennt und umhüllt. Dieses Gewebe ist für den Plastischen Chirurgen eine erfreuliche zusätzliche Substanz, allerdings nur, solange es weich bleibt. Erst wenn es zur Verhärtung kommt, was häufig nach fünf bis acht Jahren der Fall ist, oder direkt nach einer Bestrahlung, klagt die Patientin über Schmerzen oder ein ästhetisch ungenügendes Ergebnis. In einem solchen Fall bleibt nichts anderes, als erneut zu operieren.

 

Wie kann man dem vorbeugen?

 

Seit acht Jahren verwende ich bei der Rekonstruktion mit Fremdmaterial Silikonprothesen mit einer speziellen Beschichtung aus Polyurethan. Diese Schicht besteht aus einem etwa 2 mm dicken Schaum, in den das körpereigene Gewebe besser einwachsen kann. Grosser Vorteil ist auch, dass die Bindegewebsfasern, welche für die Vernarbung verantwortlich sind, nicht mehr so einfach das Implantat einschnüren können. Die Beschichtung beugt nicht nur einer schmerzhaften Verkapselung vor, sondern auch dem Verdrehen und Verschieben der Prothese. Zudem hat sich gezeigt, dass das Fremdkörpergefühl reduziert wird. Die Vorteile sind so eklatant, dass diese speziell beschichteten Prothesen nicht nur für Brustrekonstruktion, sondern mehr und mehr auch für Vergrösserungen eingesetzt werden.

 

Wie finden Sie den Busen von Pamela Anderson?

 

Für mich ist das ein skurriler Anblick, technisch zwar machbar, aber eher ein Negativbeispiel. Eine solche Brust führt schnell zu Einschränkungen im Alltag, in grotesken Fällen sogar zur Invalidisierung. Jeder Kollege muss für sich entscheiden, ob solche Absurditäten ethisch vertretbar sind. Häufig führen ökonomischer Druck und die Sucht nach Rampenlicht zu solchen Auswüchsen.

 

Wo liegen für Sie die medizinischen und ästhetischen Grenzen?

 

Es gibt grosse Unterschiede in der Wahrnehmung von Wünschen. Auch wenn ich jeden Menschen ernst nehmen will, muss ich mich von grotesken Wünschen distanzieren. Wichtig ist, dass sich jede Frau, die einen Eingriff an der Brust machen lassen will, von einem Spezialarzt mit dem FMH-Titel für Plastische Rekonstruktion und Ästhetische Chirurgie mit Schwerpunkt Brustchirurgie ausführlich über Möglichkeiten und Komplikationen beraten lässt.

 

 

Kantonsspital Frauenfeld, 8500 Frauenfeld, Telefon 052 723 76 76

Kantonsspital Münsterlingen, 8596 Münsterlingen, Telefon 071 686 28 45

volker.wedler@stgag.ch | www.wedler.ch

Quelle: "sprechstunde doktor stutz" / Jubiläumsausgabe Dezember 2009

 

 

Pressemitteilung am 12. Oktober 2009:

"Brustwiederaufbau nach Brustkrebs: Implantat-Oberfläche spielt entscheidende Rolle für Verträglichkeit":

 

Erika Rusterholz