Ein Brustkrebs und sein Verlauf

 

My Breast Cancer and its History

 

Persönliches

Operation am Rücken

11. November 2014

mikrochirurgische Erweiterung der Nervenbahnen entlang der Lendenwirbelsäule

Ich war vierzehnjährig, als ich in einer Turnstunde aus etwa 3 m Höhe zu Boden gefallen war. Ich landete auf den Füssen, sackte zusammen, stand auf - es schien, als hätte ich keinen Schaden davon getragen. Ein paar Jahre später - es hatten sich zwischenzeitlich starke Rückenschmerzen eingestellt - zeigte ein Röntgenbild die ineinander geschobenen Lendenwirbel.

Schmerzmedikamente begleiteten mein Leben, hin und wieder auch Physiotherapie (brachte jedoch keine Verbesserung). Zweimal musste ein nach unglücklicher Bewegung eingeklemmter Nerv mittels Streckbett (je zwanzigmal) gelöst werden.

 

Meine Rückenmuskulatur war schwach geworden. Dies änderte sich erst, als mein Mann und ich auf's Land gezogen waren und einen Garten zu pflegen hatten. Ich war 36, konnte kaum 3 Kilos tragen. Erdhaufen regten mich zum Schaufeln an mit langsamem Steigern der Erdmenge auf der Schaufel. Dadurch bin ich erstarkt. Ich fand also immer grösseren Gefallen an der Gartenarbeit. Mit täglichem Inflamac 25, manchmal mit Celebrex 200, konnte ich die Rückenschmerzen dämpfen, jedoch nicht vollständig unterdrücken.

 

Im November 1999 musste dringend eine Hüftprothese rechts eingesetzt werden, was leider nicht ganz gelang, das Bein war um 1,5 cm kürzer geworden. Ein Jahr später habe ich links ein künstliches Hüftgelenk erhalten - jetzt hatte ich zwei ungleich lange Beine, was sich auf die Wirbelsäule auswirkte: sie deformierte sich, ein gerades Gehen war/ist nicht mehr möglich.

 

Die Rückenschmerzen haben während der letzten Jahre sehr zugenommen. Ob es sich vielleicht um Metastasen handeln könnte, ausgelöst nach dem beidseitigen Brustkrebs 2004?

Eine Skelettszintigraphie und zur genaueren Diagnose noch ein MRI im Dezember 2013 ergab dann: mehrsegmentale schwere degenerative Veränderung der Lendenwirbelsäule sowie Einengung der Nervenwurzeln - keine Metastasen.

Im August 2014 stellten sich Nervenschmerzen im Gesäss ein, in die Beine ziehend. Jetzt schien die Zeit gekommen, den Rücken doch genauer anzusehen, sogar eine Operation in Betracht zu ziehen.

Der Wirbelkanal kann also durch degenerative Veränderungen der Wirbelsäule eingeengt werden (spinale Stenose), was entsprechende Beschwerden auslöst.

 

Zwei Monate später: der plötzliche und sehr starke Schmerz war im Fuss angelangt, ein Auftreten war während kurzer Zeit nicht möglich. Dies wiederholte sich anderntags. Die Nerven waren eingeklemmt, und nur noch eine Entlastung der Nervenbahnen entlang der Lendenwirbelsäule würde solches weiterhin verhindern können...

 

Operation vom 11.11.2014:

 

Operateur: Prof. Dr. med. Urs Dieter Schmid

Assistentin: cand med

 

Operationsdiagnose:

Spinalkanalstenose / Kauda-equina-Kompression L 1/2, L 3/4/5

 

Durchgeführte Operation:

Mikrochirurgische Dekompression L 1/2, L 3/4/5 beidseits von links her

(3 mediane gelenkserhaltende Arthrotomien links, 3 innere Dekompressionen rechts von links her, Disci intakt, Flowseal, EMG-Monitoring)

Operationszeit: 205 Minuten

Anästesiezeit: 390 Minuten

Indikation:

Die Patientin leidet seit den 50er Jahren unter intermittierenden Rückenschmerzen, die aktuell beim längeren Gehen z.T. mit Inklinationszwang verbunden sind im Rahmen eines Flachrückens mit schwerer LWS-Degeneration/beginnender sagittaler Lotdekompensation. Darüber hinaus besteht eine intermittierende, dann aber unerträgliche Lumboischialgie im Ausbreitungsgebiet etwa L 5 oder S 1 links bei gewissen Drehbewegungen und Kontrollverlust der Beine beim Spazieren, Einkaufen, ohne Paresen in Ruhe. Wir führen dies zurück auf die langstreckige Kauda-equina-Kompression bei Spinalkanalstenose L 1/2, L 3/4/5. Entsprechend besteht hier nach Ausschöpfen der konservativen Therapie die Indikation zur Dekompressionsoperation L 1/2, L 3/4/5 von der schmerzhafteren linken Seite her. Präoperative Information über Operationsindikation, Technik, Erfolgsaussichten und Risiken. Die Prognose für den Beinschmerz und vielleicht auch die claudicationelle Ermüdung beim Gehen (DD kardial, pulmonal, arthrogen, Kachexie) ist möglicherweise günstig, für den Rückenschmerz im Rahmen der Fehlform und schweren Degeneration voraussichtlich ungünstig.

Operation:

Lagerung, Zurücklagerung bei Bronchospasmus, Neulagerung nach Bronchospasmolyse, Böcklilagerung, prä- und intraoperative Höhenlokalisation mit dem BV. Knapp 12 cm lange lumbomediane Hautinzision, u-förmige Faszieninzision, scharfes Ablösen des M. erector spinae vom Dornfortsatz, Darstellen der interlaminären Fenster L 1/2 bis L 4/5 links mit den stark nach innen ragenden Facettgelenken.

Man beginnt unten und endet oben, zuerst jeweils ipsilateral, dann kontralateral von innen her.

Hautschnitt 12 cm

L 1 bis L 5

Faszienschnitt

L 1 bis L 5

entferntes Band + Knochen bei L 4/5

 

 

MRI/MRT: Magnetic Resonance Imaging/Magnetresonanztomographie ist ein bildgebendes Verfahren zur Darstellung der Gewebestrukturen im Körperinneren:

 

Bilder der Nervenbahnen vor Operation und danach zeigen, ob die Entlastung der Nervenbahnen geglückt ist.

 

1.

Auf Höhe L 4/5 links wird ein grosses interlaminäres Fenster mit medianer gelenkserhaltender Arthrotomie vorgenommen und das Facettgelenk unterschnitten zur kompletten Entdachung des Rezessus lateralis. Resektion des dicken Ligamentum flavum von lateral bis zur Mittellinie. Austasten des Rezessus mit verschiedenen Häkchen, man spürt eine Diskusprotrusion, die dorsale Entlastung ist gut und es finden sich keine Resistenzen mehr. Perfekte Blutstillung nach Einlage eines Mini-Tabotamp-Stückchens und Eingiessen von etwas Flowseal.

Nun wird durch starke Schrägeinsicht die Mittellinie dargestellt, das Ligamentum flavum der Gegenseite von der Dura abpräpariert und samt dem nach innen ragenden Fazettgelenk dargestellt, die inneren Konturen der benachbarten Hemilaminae werden ausgedrillt.

Alles wird mit verschiedenen Stanzen von innen her abgetragen, bis der Extraduralraum auch dorsal/auf die Gegenseite perfekt entlastet ist. Austasten des Rezessus mit verschiedenen Häkchen, alles ist frei. Eingiessen von etwas Flowseal, dann ist die Hämostase perfekt.

 

vergrösserte Bilder MRI L 4/5

und Seitenansicht Lendenwirbelsäule

(mit vergrösserten Operations-Aufnahmen)

 

2.

Auf Höhe L 3/4 links wird ein grosses interlaminäres Fenster mit medianer gelenkserhaltender Arthrotomie vorgenommen und das Facettgelenk unterschnitten zur kompletten Entdachung des Rezessus lateralis.

Resektion des dicken Ligamentum flavum von lateral bis zur Mittellinie. Austasten des Rezessus mit verschiedenen Häkchen, man spürt eine Diskusprotrusion, die dorsale Entlastung ist gut und es finden sich keine Resistenzen mehr. Perfekte Blutstillung nach Einlage eines Mini-Tabotamp-Stückchens und Eingiessen von etwas Flowseal. Nun wird durch starke Schrägeinsicht die Mittellinie dargestellt, das Ligamentum flavum der Gegenseite von der Dura abpräpariert und samt dem nach innen ragenden Fazettgelenk dargestellt, die inneren Konturen der benachbarten Hemilaminae werden ausgedrillt. Alles wird mit verschiedenen Stanzen von innen her abgetragen, bis der Extraduralraum auch dorsal/auf die Gegenseite perfekt entlastet ist. Austasten des Rezessus mit verschiedenen Häkchen, alles ist frei. Eingiessen von etwas Flowseal, dann ist die Hämostase perfekt.

 

vergrösserte Bilder MRI L 3/4

und Seitenansicht Lendenwirbelsäule

 

3.

Auf Höhe L 1/2 links wird ein grosses interlaminäres Fenster mit medianer gelenkserhaltender Arthrotomie vorgenommen und das Facettgelenk unterschnitten zur inkompletten Entdachung des Rezessus lateralis (zur Schonung der Facette, die sehr medial gereicht hat und den Interlaminärraum vollständig obliterierte). Resektion des dicken Ligamentum flavum von lateral bis zur Mittellinie. Austasten des Rezessus mit verschiedenen Häkchen, man spürt eine Diskusprotrusion, die dorsale Entlastung ist gut und es finden sich keine Resistenzen mehr. Perfekte Blutstillung nach Einlage eines Mini-Tabotamp-Stückchens und Eingiessen von etwas Flowseal. Nun wird durch starke Schrägeinsicht die Mittellinie dargestellt, das Ligamentum flavum der Gegenseite von der Dura abpräpariert und samt dem nach innen ragenden Fazettgelenk dargestellt, die inneren Konturen der benachbarten Hemilaminae werden ausgedrillt. Alles wird mit verschiedenen Stanzen von innen her abgetragen, bis der Extraduralraum auch dorsal/auf die Gegenseite perfekt entlastet ist. Austasten des Rezessus mit verschiedenen Häkchen, alles ist frei. Eingiessen von etwas Flowseal, dann ist die Hämostase perfekt.

 

vergrösserte Bilder MRI L 1/2

und Seitenansicht Lendenwirbelsäule

 

Betadine-Spülung, perfekte Blutstillung in der Muskulatur, 2 Redon-Drainagen, dreischichtiger Wundverschluss, Haut nach Donati-Allgöwer.

 

Details zum EMG-Monitoring:

Kontinuierliche Ableitung von EMG-Aktivität mit Nadelelektroden in den Mm, gluteus medius/maximus, quadriceps (2 Muskeln), tibialis anterior/peronäus und gastrocnemius (2 Muskeln) bds. Keine Aktivität.

 

Procedere:

Mobilisation und Sitzen ab sofort, Fadenentfernen nach 10 Tagen beim Hausarzt, Kontrolle in meiner Sprechstunde in 12 Wochen. Zu jenem Zeitpunkt ist auch eine Kontroll-MRI-Untersuchung zur Dokumentation des Umfanges der Dekompression durchzuführen, etwa 10 Tage vor der Kontrolle.

 

Prof. Dr. med. Urs Dieter Schmid - Leiter Neurochirurgie, Zürich

 

Der Spitalaufenthalt war recht kurz:

Dienstagmorgen Eintritt mit nachfolgender Operation; etwa um 18 Uhr war ich wieder im Zimmer, allerdings noch nicht richtig ansprechbar - erstes Aufstehen zwei Stunden später. Öfteres Gehen den Gang entlang am Mittwoch und Treppensteigen am Donnerstag reichten für eine frühzeitige Entlassung am Freitagmorgen, ich war in guter Verfassung.

Allerdings störte jetzt das neu aufgetretene Kribbeln in den beiden grossen Zehen rechts. Ein paar Wochen später verspürte ich eine Veränderung: die beiden Zehen fühlen sich seither an, als wären sie stark eingebunden, fast taub; ob sich in absehbarer Zeit der Normalzustand wieder einstellen wird? Der Chirurg meinte, das könne 1 - 2 Jahre dauern.

 

Der Entscheid zur Operation "Erweiterung der Nervenbahnen" war richtig gewesen, denn die bis in die Füsse ausstrahlenden Schmerzen sind nicht mehr aufgetreten. Weil die Lendenwirbel sehr degeneriert sind und eine Verbesserung kaum möglich ist, wurden sie nicht angetastet - ich kann damit leben...

 

*****

 

Frühling 2016: das Taubheitsgefühl im rechten Fuss hat sich auf den Fusswrist ausgeweitet, im Fuss selber ist jetzt ein vermehrtes Kribbeln spürbar, dies eher nachts im Bett. Neu ist auch, dass nach dem Verlassen des Betts, speziell beim Sitzen auf der Bettkante und später auch auf dem Stuhl, ein unangenehmer Schmerz durch das Gesäss links bis zum Oberschenkel zieht - ob sich im Rücken etwas verändert hat?

 

MRI/MRT Mitte Mai: zunehmende Verengung von L2/3, ebenfalls revisionsbedürftige rechte Hüftprothese (eingesetzt im Novemer 1999) - die Pfanne war instabil geworden und "wanderte", das Auftreten des rechten Fusses löste sehr starke Schmerzen in der rechten Hüfte aus.

 

18. Juni 2016: Auswechseln von Prothesenpfanne und Kopf - dadurch wurde es auch möglich, das rechte Bein der Länge des linken anzupassen, d.h. beide Beine sind jetzt wieder gleich lang... Mehr zur Operation:

 

Mitte August 2016: mit Freude stelle ich fest, dass die seit ein paar Monaten durch das Gesäss nach links ziehenden Schmerzen beim Sitzen jetzt nicht mehr auftreten. Hat sich die Wirbelsäule durch die wieder gleich langen Beine bereits so verändert, dass Nervenbahnen nicht mehr eingeengt sind? Ich hoffe, das halte an...

Juni 2017: vor einigen Monaten sind wieder ziehende Schmerzen links bis zum Knie hinunter aufgetreten, sie machen das Gehen zur Qual. Zugleich schmerzt mich die Lendenwirbelsäule, wenn ich stehe oder gehe, nicht beim Sitzen - bereits nach ein paar Schritten sehne ich mich nach einem Stuhl... Der Ursprung der sehr starken Schmerzen soll jetzt herausgefunden werden.

 

Der Begriff der Spinalen Stenose (Spinalkanalstenose oder Spinalstenose) bezeichnet eine Verengung des Wirbelkanals.

Sie tritt häufiger bei älteren Menschen und meistens im Bereich der Lendenwirbelsäule auf. Die am häufigsten betroffenen Segmente sind zwischen drittem und viertem sowie zwischen viertem und fünftem Lendenwirbelkörper.

Im Rahmen des normalen Alterungsprozesses verlieren die Bandscheiben an Höhe und es kommt zur Osteochondrosis intervertebralis: einerseits zu Vorwölbungen der Bandscheibe, andererseits zu knöchernen Ausziehungen an den Wirbelkörpern (Spondylophyten). Weiter entstehen Arthrosen der kleinen Wirbelbogengelenke (Spondylarthrosen). Diese Kombination lässt eine sanduhrförmige Einengung des Spinalkanals entstehen.

 

Die Stenose kann verschiedene Formen haben. Gelegentlich verlagert sich eine relativ intakte Bandscheibe im Wirbelzwischenraum und "rutscht" zur Seite. Damit wird der Spinalkanal von einer Seite her bedrängt und es kommt zu deutlicheren Beschwerden.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Rückenmark

https://de.wikipedia.org/wiki/Spinale_Stenose

 

aufgezeichnet im Winter 2015/16

und August 2016

Bilder: Prof. Dr. med. Urs D. Schmid

ich freue mich auf Ihren

© Erika Rusterholz