Ein Brustkrebs und sein Verlauf

 

My Breast Cancer and its History

 

Persönliches

Herzrhythmusstörungen während Jahren

15. Dezember 2017:

 

18. Dezember 2017:

Einsetzen des Herzschrittmachers Micra MC1VR01

 

AV-Knoten-Ablation in rechtem Herzvorhof

Indikation: Tc Vorhofflimmern, nicht frequenzkontrollierbar

Ein Herzschrittmacher als einzige Ueberlebenschance...

wie es dazu gekommen ist:

untenstehende Bilder können vergrössert werden:

bitte Bild anklicken

Es sind sicher dreissig Jahre her, dass ich immer wieder Pulsrasen hatte, ausgelöst durch Emotionen: ich dachte intensiv an etwas - Schönes oder nicht, spielte keine Rolle - und schon schnellte mein Puls in die Höhe.

Nach beidseitigem Brustkrebs im 2004 musste ich den Aromatasehemmer "Arimidex" einnehmen, was mir eigentlich nicht behagte und ich mich darob ziemlich oft aufgeregt hatte, was wiederum zu Pulsrasen führte. Zweimal musste ich im Notfall vom mehrere Stunden dauernden Pulsrasen befreit werden: das konnte mit einem Medikament geschehen, es heisst Krenosin (= Adenosin) und kann nur intravenös verabreicht werden unter monitorisierten Bedingungen mit einem Defibrillator in der Nähe...

12. April 2006: Jetzt wollte ich mich von diesem Uebel befreien lassen durch eine Katheter-Ablation.

Die Beseitigung des Pulsrasens habe ich damals kurz beschrieben:

(ambulant, nur Betäubung an der Leiste - ich konnte die Katheter-Ablation am Bildschirm verfolgen und anschliessend die 4 Katheter mitnehmen)

 

Während der vergangenen Jahre trat das Pulsrasen jedoch von Zeit zu Zeit wieder auf: zum Beispiel dann, wenn ich an einer Veranstaltung mit vielen Anwesenden und hohem Lärmpegel war. Solches wiederholte sich immer öfter, so dass diverse Langzeit-EKG's wegen des Verdachts auf ein Vorhofflimmern gemacht worden sind.

Erst im Januar 2017 konnte das Vorhofflimmern eindeutig diagnostiziert werden.

 

Jetzt hätte ich ein blutgerinnungshemmendes Medikament bis zum Lebensende einnehmen sollen, was mein Onkologe, zuständig für mein Multiples Myelom, wegen des erhöhten Blutungsrisikos ablehnte.

Beim Vorhofflimmern bilden sich in den Vorhöfen Blutgerinnsel, die meisten im Vorhofsohr. Wenn diese in eine Arterie des Gehirns gelangen, kann es zu einem Schlaganfall kommen. Um dieses Risiko möglichst auszuschliessen, wurde mir angeboten, das Vorhofsohr mit einem Schirmchen zu verschliessen. - Diese Alternative nahm ich gerne an:

 

6. Februar 2017: Verschluss des Vorhofohrs - ein Katheter von der Leiste her brachte das Amplatzer Amulet Occluder 25 mm an die engste Stelle des Vorhofohrs (Anhang des linken Vorhofs) -

zum Operationsbericht über diesen Eingriff in Vollnarkose, 2½ Tage stationär:

Vorhofohrverschluss Amplatzer Amulet Occluder

 

Jetzt musste ich aber doch während drei Monaten einen Blutgerinnungshemmer schlucken, bis das Schirmchen anfangs Mai eingewachsen war - Ergebnis: ich war kaum mehr fähig, zu gehen, der Körper schien vollkommen kraftlos zu sein, die Glieder wie Blei...

Warum dies? Dann in der Fachinformation von Revlimid entdeckt:

Blutgerinnungshemmer und Revlimid (Medikament zur Unterdrückung des Multiplen Myeloms) dürfen nicht zusammen eingenommen werden.

 

2017:

Schon länger war mir aufgefallen, dass beide Unterschenkel jeweilen am Morgen beim Aufstehen Dellen aufwiesen. Ich wurde Ende Februar 2017 also zur Angiologie geschickt: die Blutgefässe wurden getestet, sie waren gut durchblutet.

Jedoch wurde im Ultraschall in der linken Wade eine Muskelvenenthrombose entdeckt, die sich mit Xarelto 15 mg/täglich auflösen sollte.

Ende März 17 war diese tatsächlich nicht mehr auffindbar. Ich war froh, nun Xarelto weglassen zu können, ich fühlte mich sehr schlapp.

 

Anfang Mai: An meiner Taille war rechts plötzlich eine sehr grosse Beule - ein Fettwulst? Ich wog 4 kg mehr innerhalb weniger Tage. Die Füsse und Knöchel waren jetzt auch sehr dick geworden, und ich konnte nicht mehr richtig atmen.

Es war eine Flüssigkeitsansammlung speziell in den Beinen und der Taille. Jedoch zeigte sich im Ultraschall auch ein Pleuraerguss, eine Punktion wurde nötig.

Warum lagert sich jetzt plötzlich Wasser im Gewebe ein? Mit dem Medikament Torem/Torasemid sollte dieses wieder ausgeschwemmt werden; so ganz gelingen wollte dies jedoch nicht.

 

Juni/Juli 2017: Ich habe mir das rechte Schultergelenk durch eine inverse Prothese ersetzen lassen. Es brauchte dazu zwei Anläufe: die erste Narkose am 26. Juni musste abgebrochen werden - laut Narkosebericht wurden sehr viele Medikamente für die Narkose eingesetzt, die - wie mir scheint - meinem Herz nicht gut getan haben, es war ausgerastet (Vorhofflattern) und musste mit Elektrokonversion wieder in einen Normalzustand versetzt werden. Nachdem das Herz mit dem sehr starken Medikament Cordarone wieder rhythmusstabilisiert worden ist, konnte die Operation am 18. Juli durchgeführt werden: diesmal mit weniger Medikamenteneinsatz, sie verlief ohne Komplikationen. Jedoch sind die Nierenwerte nun sehr schlecht geworden. Ich getraue mich kaum mehr, ein Inflamac (Generika von Voltaren) zu schlucken bei den dauernden enormen Rückenschmerzen.

 

10. Oktober: ich fühlte mich sehr matt, konnte kaum auf den Beinen stehen, hatte über 39° Fieber (das letzte Mal mit so hohem Fieber war im April 2015). Der CRP-Wert war auf 110 gestiegen, 5 wäre richtig... also Antibiotika. Nach drei Packungen Zinat und immer noch erhöhtem CRP-Wert war nicht klar, was diese Entzündung/den Infekt ausgelöst hatte. Ein Röntgenbild zeigte, dass wiederum ein Pleuraerguss das Atmen sehr erschwerte und vom Rücken her punktiert werden musste: 7,5 dl am 8. November. Es folgten im November nochmals zwei weitere Pleuraergüsse mit 1,1 Liter und 7,5 dl, welche die rechte Lunge zusammendrückten. Die Wassereinlagerung hatte jedoch nichts mit dem Myelom zu tun, sondern mit Herzrhythmusstörungen mit sehr hohem Puls (130 - 170).

 

Jetzt war nötig geworden, während eines Spitalaufenthalts Ende November das Wasser aus meinem Körper auszuschwemmen: während rund 40 Stunden floss das Medikament Lasix durch die Vene: danach hatte ich über 5 kg weniger Gewicht. Jedoch waren die Füsse, Knöchel und Unterschenkel leider dick geblieben, die Wassereinlagerung blieb bestehen.

 

Es sollte nun dringend etwas verändert werden, denn massive Wassereinlagerungen und Pleuraergüsse werden sofort wieder erfolgen wegen des Vorhofflimmerns (nicht frequenzkontrollierbar) - wie lange kann dies mein Körper durchhalten?

 

Vorschlag des Kardiologen: Verödung des AV-Knotens, verantwortlich für die Rhythmusstörungen im Herzen: ein Herzschrittmacher wird mein Herz wieder gleichmässig schlagen lassen - die Wassereinlagerungen sollten somit wieder zurückgehen.

 

Bei mir war jedoch nicht möglich, einen normal grossen Herzschrittmacher unter der Haut einzupflanzen, es gibt dafür keine geeignete Stelle. Es gäbe jedoch diese Alternative:

den weltkleinsten Herzschrittmacher Micra in der rechten Herzkammer zu platzieren (siehe Skizze Medtronic) -

Der Vorgang: Der Arzt führt ein "strohhalmartiges" Kathetersystem in eine Vene ein. Üblicherweise geschieht dies im Bereich des oberen Oberschenkels.

Das Kathetersystem transportiert die Micra Kardiokapsel in die rechte Herzkammer, dort wird die Kardiokapsel an der Herzwand positioniert und mit flexiblen Fixierungsankern gesichert.

 

Die Kardiokapsel wird mit einem externen Programmiergerät getestet und programmiert, dann wird das Kathetersystem aus dem Körper entfernt.

Quelle: Medtronic

15. Dezember 2017:  Implantieren des Herzschrittmachers Micra MC1VR01

 

Das Bild der HerzKlinik Hirslanden/ZH zeigt den mittels Katheter von der rechten Leiste aus in der rechten Herzkammer eingesetzten Herzschrittmacher. Der vorn verbreiterte Katheter - er hatte den Herzschrittmacher transportiert - wird nun wieder zurückgezogen.

 

Am oberen Bildrand ist auch das Schirmchen (= Vorhofohrverschluss) zu sehen.

 

Grösse des weltkleinsten Herzschrittmachers:

Länge 26 mm, Durchmesser 6,7 mm, Gewicht 1,75 Gramm

4 kleine Häkchen dienen als Verankerung in der rechten Herzkammer

Die Batterie wird etwa 9 Jahre halten. Danach kann ein zweiter Herzschrittmacher neben den ersten gesetzt werden.

 

zum Operationsbericht über diesen Eingriff in Vollnarkose, 2½ Tage stationär:

Herzschrittmacher Micra im rechten Vorhof

 

18. Dezember 2017: Ablation des AV-Knotens über die linke Femoralvene

 

Wird der AV-Knoten verödet, werden die Vorhöfe und Kammern des Herzens elektrisch vollständig voneinander getrennt (kann nicht rückgängig gemacht werden). Eine Ablation des AV-Knotens kommt daher nur als Notlösung in Betracht wegen der bis zum Lebensende bestehenden Abhängigkeit von einem Herzschrittmacher.

Damit sofort nach Ausfall des AV-Knotens der Herzschrittmacher übernehmen kann, wurde dieser vorgängig in die rechte Herzkammer implantiert. Er wird besorgt sein für einen normalen Herzrhythmus...

Untersuchungsdurchführung Katheter-Ablation AV-Knoten

ambulant, in Vollnarkose, danach 5 Std auf dem Rücken liegen:

AV-Knoten = gelber Punkt in rechtem Vorhof

 

 

Januar 2018: Ich freue mich sehr über das regelmässig schlagende Herz: keine schnellen stolprigen Herzschläge mehr, wie dies seit Jahren der Fall gewesen war. Ich fühle mich tatsächlich besser, kann jetzt auch etwas leichter die Treppe hochsteigen, ohne zu sehr ausser Atem zu kommen. Allerdings spüre ich das öfter auftretende Vorhofflimmern: es ist ein innerliches Zittern in der Nähe des Brustbeins, stört doch etwas - irgendwann ist das dann wieder vorbei, einfach so.

 

Leider sind die Füsse und Knöchel auch am 20. Januar immer noch dick, aber doch weniger, als zuvor. Diese Wassereinlagerungen sollten sich eigentlich zurückbilden, nachdem das Herz zu einem normalen Rhythmus gefunden hat. Ich werde Torasemid (Tabletten, welche Wasser ausscheiden lassen) noch einnehmen, jedoch die Abstände vergrössern und dann stoppen. Braucht wahrscheinlich einige Zeit, bis sich alles eingependelt hat...

 

Ende Januar ist der Herzschrittmacher noch feiner eingestellt worden (war von aussen möglich) - ab jetzt halbjährliche Kontrolle.

 

aufgezeichnet ab 2017

 

Herzlichen Dank allen Beteiligten!

ich freue mich auf Ihren

© Erika Rusterholz