Ein Brustkrebs und sein Verlauf

 

My Breast Cancer and its History

 

"Schweizer Illustrierte"

DER FALL: Brust-OP bei 14-Jährigen

Dr. med. Volker Wedler,

Facharzt FMH für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie:

Lassen sich ästhetische Operationen an Jugendlichen oder bei Senioren ethisch und moralisch vertreten?

 

Eine prinzipielle Ja-Nein-Antwort existiert nicht. Es muss immer der individuelle Gesundheitszustand angeschaut werden. Dennoch habe ich bereits bei 14-jährigen Frauen, die an sehr grossen und schweren Brüsten (Mammahypertrophie. Gigantomastie) gelitten haben, eine Brustverkleinerung (Mammareduktion) durchgeführt. Die jungen Frauen leiden sehr unter dem Gewicht, welches Sport unmöglich macht und alltägliche Bewegungen sehr erschwert.

 

Die Folge sind Schmerzen, vor allem in der Nacken-Arm-Region, was bereits in diesem Alter zu einer Chronifizierung führt. Die angeborene Tendenz, eine sehr grosse, schwere Brust zu entwickeln, hat nicht zwangsläufig mit einem zu hohen Körpergewicht zu tun, sondern wird auch bei einer Diät fortbestehen. Ausserdem ist der Ratschlag - etwa von den Krankenkassen -, erst einmal Sport zu treiben oder Physiotherapie durchzuführen, kontraproduktiv, da dieses ein Teil des «Teufelskreises» ist und Ausdauersport, wie Joggen etc. aufgrund des Gewichtes sowie der Raumforderung beider Brüste erst nach einer Reduktion möglich wird.

 

Auch ist die psychosoziale Belastung durch «Hänseleien» und Spott durch Gleichaltrige nicht zu unterschätzen. Dies gilt auch bei sehr kleinen Brüsten (Mammahypotrophie). Die Indikation zu einer solchen Operation erfolgt in Zusammenarbeit mit Psychologen und beinhaltet bei gesunden jungen Frauen kein höheres Risiko, als bei erwachsenen Frauen.

Viele junge Frauen werden von Dritten abgeschreckt, weil ihnen gesagt wird, dass im Falle einer späteren Schwangerschaft die Stillbarkeit unmöglich wird. Dem muss nicht so sein, das Restdrüsengewebe kann ausreichen. Ausserdem gibt es mehr Frauen auf der Welt, die auch ohne Brustoperation nicht stillen können, und der Benefit für die Lebensqualität der jungen Frauen ist diesem Argument überlegen.

An dieser Stelle sollten Frauen gefragt werden, die sich in jungen Jahren einem solchen Eingriff unterzogen haben. Sie würden immer wieder so entscheiden und sind froh, dass sie als Minderjährige die Unterstützung ihrer Eltern hatten.

 

Bei der Brustvergrösserung sollten Pubertät und Wachstum abgewartet werden, aber mit 20 Jahren kann einem Operationswunsch bei sehr kleinen Brüsten nachgekommen werden. Die Brust wird sich in den folgenden Jahren, ausser nach einer Schwangerschaft, nicht massgeblich verändern. Sollte innerhalb der nächsten 18 Monate ein Kinderwunsch bestehen, sollte erst einmal die Familienplanung beachtet werden, da die natürliche Expansion während der Schwangerschaft und das «Erschlaffen» nach der Geburt und dem Stillen das Operationsergebnis stark beeinflusst. Eine Kontraindikation für das Stillen stellen Brustimplantate nicht dar.

 

Aufgrund der zunehmenden Lebenserwartung wird die Altersgruppe von 60 bis 85 Jahren wegen ihrer Kaufkraft eine ökonomisch wichtige Konsumentengruppe in unserer Gesellschaft darstellen.

 

www.wedler.ch

 

Quelle: Ringier AG, "Schweizer Illustrierte" / Ausgabe Nr. 17 vom 26. April 2010

 

 

Erika Rusterholz